Psychiatriekoordinationsstelle des Landkreises feiert Jubiläum

Fest- und Fortbildungstagung am 26. September 2007 in Waldbreitbach

 

Seit 1996 ist der Landkreis Neuwied für die Planung und Koordination der gemeindenahen Psychiatrie zuständig. Aus diesem Grunde wurde im September 1997 die Psychiatriekoordinationsstelle des Landkreises eingerichtet, die jetzt Ihr 10jähriges Jubiläum feiert. Die Aufgaben der Koordinationsstelle, die mit dem Soziologen Dr. Ulrich Kettler besetzt ist, sind vielfältig. Hierzu zählt zum einen die Information und Beratung von Betroffenen, Angehörigen sowie Diensten und Einrichtungen. Darüber hinaus galt es gerade in den ersten Jahren, Versorgungslücken zu schließen und innovative Projekte zu unterstützen. Im Laufe der Jahre sind neue Hilfsangebote geschaffen worden, beispielsweise wurde der Sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes eingerichtet, die Tagesklinik für Erwachsenen in Neuwied und das Krisentelefon am St. Antonius-Krankenhaus in Waldbreitbach eröffnet. Um eine gemeindenahe Versorgung sicherzustellen, wurden Verträge geschlossen und Verfahrenswege abgeklärt. So ist das St. Antonius-Krankenhaus in Waldbreitbach seit 1997 für die Versorgung des Landkreises Neuwied verpflichtet.

Fotot: Dr. Ulrich Kettler und Nelli Mantai stellen das Plakat zur Fachtagung am 26. September 2007 vor. >> Bild vergrößern

 

Im Rahmen von Gesundheitskonferenzen wurden die Themen psychisch kranke alte Menschen und dann psychisch kranke Kinder und Jugendliche bearbeitet. Hierbei galt es, die Kooperation zwischen den Diensten und Einrichtungen zu verbessern, Versorgungsdefizite aufzuzeigen und Lösungen gemeinsam zu erarbeiten. Zusammen mit Kooperationspartnern wurden beispielsweise Informationsveranstaltungen über Demenzerkrankungen in Neuwied, Linz, Waldbreitbach und Asbach durchgeführt. Im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie konnte erreicht werden, dass ein stationäres Angebot im Johanniter Zentrum geschaffen wird.

Weitere wichtige Aufgabenschwerpunkte sind die Öffentlichkeitsarbeit und die Berichterstattung. Beispielsweise wird gemeinsam mit dem Förderverein gemeindenahe Psychiatrie e.V. und der Volkshochschule Neuwied die Veranstaltungsreihe "IRRwege verstehen" durchgeführt. Hier können sich Betroffene, Angehörige und Interessierte über unterschiedliche psychische Krankheitsbilder wie Ess-Störungen, Demenz, Psychosen, Zwangserkrankungen etc. informieren und gemeinsam diskutieren. Bei der Berichterstattung wurden Fachberichte für die kommunalen Ausschüsse und den Kreistag erarbeitet, beispielsweise der Psychiatriebericht des Landkreises Neuwied. Ferner wurden in Fachzeitschriften verschiedene Fachartikel veröffentlicht.

"Unverkennbar ist, dass die Zahl und Bedeutung psychischer Erkrankungen in den vergangenen Jahren zugenommen hat", erläutert Dr. Kettler, "dies wird auch durch Zahlen der Weltgesundheits-Organisation WHO bestätigt". So steigt der Anteil von psychischen Erkrankungen bei Arbeitsunfähigkeiten und psychische Erkrankungen sind mittlerweile die Hauptursache für Frühberentungen. Untersuchungen zeigen, dass es häufig sehr lange dauert, bis vorhandene Hilfen in Anspruch genommen werden. "Hier gilt es, Vorurteile abzubauen und Betroffene, Angehörige und Interessierte zu informieren", erklärt der für die Psychiatriekoordination zuständige Kreisbeigeordnete Hans-Werner Neitzert. Daher hat auch die Arbeit von Selbsthilfe- und Angehörigengruppen einen hohen Stellenwert, der Landkreis unterstützt deren Arbeit und Aktivitäten. So sind die Gruppen auch im Psychiatriebeirat des Landkreises Neuwied, der gemeinsam Fachinformationen diskutiert und Empfehlungen aussprechen kann, vertreten.

Aus Anlass des Jubiläums findet am 26. September 2007 eine Fest- und Fortbildungsveranstaltung im St. Antonius Forum in Waldbreitbach statt. Referenten sind Prof. Dr. Jörg Degenhardt, Prof. Dr. Volker Tuschuschke und Dr. Ulrich Kettler. Anmeldung und Information unter Tel.: 02631 / 803 - 732 oder 803 - 722.