Loewenherz-Preis ging an Dr. Elisabeth Fries

 

In einer Feierstunde im Roentgen-Museum Neuwied wurde der ehemalige Neuwiederin, Dr. Elisabeth Fries der Ehrenpreis der Johanna-Loewenherz-Stiftung überreicht. Der in Rheinland-Pfalz einmalige kommunale Frauenpreis, der auf die Erbschaft von Johanna Loewenherz, einer engagierten, jüdischen Frauenrechtlerin aus Rheinbrohl, zurückgeht, beläuft sich auf 5.100 Euro. Landrat Rainer Kaul konnte zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft, aber auch viele Freunde und Verwandte der Preisträgerin begrüßen. Mit Stolz verwies er darauf, dass endlich ein Foto von Johanna Loewenherz gefunden wurde. Es ziert die neue Biographie, die am 11. April 2008 der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Foto (vlnr): Landrat Rainer Kaul, Ehrenpreisträgerin Dr. Elisabeth Fries, Laudatorin Sibylle Rothkegel, Doris Eyl-Müller, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Neuwied >>> Bild vergrößern

 

 

Die diesjährige Ehrenpreisträgerin Dr. Elisabeth Fries aus Tübingen arbeitete von 1980 bis 1984 als Amtsärztin im Neuwieder Gesundheitsamt und ging danach in die Demokratische Republik Kongo, dem ehemaligen Zaire, in die Region um Nundu, im Osten des Landes, der nicht zuletzt durch Flüchtlingsströme aus dem Rheinland-Pfälzischen Partnerland Ruanda keinen wirklichen Frieden findet.

Doris Eyl-Müller, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises gab in ihrer Rede einen Abriss über die Geschichte der Demokratischen Republik Kongo, die sowohl unter dem Sklavenhandel, als auch der belgischen Kolonialmacht extrem litt. Durch Bürgerkriege und Diktaturen starben zudem Millionen von Menschen, systematische Massenvergewaltigungen waren dabei anerkannte Kriegsstrategie. Inoffizielle Schätzungen gehen von nahezu 500.000 Vergewaltigungsopfern aus und die Gewalt gegen Frauen wird auch heute noch in der Provinz Süd-Kivu fortgeführt.

 

Die Leistungen der Preisträgerin für die Menschen in der Demokratischen Republik Kongo, insbesondere für die Frauen und Kinder in der krisengewohnten Region im Osten des Landes, hob die Laudatorin, Sibylle Rothkegel, Dipl. Psychologin und selbst Traumata-Expertin, hervor.

 

Dr. Elisabeth Fries ging für 10 Jahre nach Nundu, baute dort ein istriktkrankenhaus auf, in dem insbesondere Frauen und Kinder betreut wurden. Im Sinne eines Basisgesundheitsdienstes wurden die Menschen der Region darin unterrichtet, selbst Kindernahrung oder Medikamente aus regionalen Heilpflanzen herzustellen, um eine nachhaltige Gesundheitsstruktur aufzubauen. Von 1994 bis 1996 war Dr. Fries als Medizinberaterin bei der Vereinigung der Zairischen Kirchen angestellt. 1997 kehre sie nach Deutschland zurück, arbeitet heute mit traumatisierten Menschen bei „refugio stuttgart“ und versucht über den Verein ProKivu die Region ihres früheren Wirkens von Deutschland aus zu unterstützen.

 

Foto (vlnr):

Landrat Rainer Kaul, Ehrenpreisträgerin Dr. Elisabeth Fries, Laudatorin Sibylle Rothkegel, Doris Eyl-Müller, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Neuwied