Mythen und Illusionen schützen die Täter

 

„In jeder Ehe gibt es Krach; dass im Stress schon mal die Hand ausrutscht, kann passieren...“. So oder so ähnlich lauten gängige Rechtfertigungen, wenn es um Gewalt in engen sozialen Beziehungen geht. Dass es sich dabei um eine Illusionen handelt, verdeutlichte Klaus Welter, Kriminaldirektor im Ministerium des Inneren und für Sport bei der letzten Sitzung des Runden Tisches gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen Rhein-Westerwald: „Die polizeiliche Praxis zeigt deutlich, dass die ausgerutschte Hand keine Ausnahme darstellt und dass es oft nicht bei der ausgerutschten Hand bleibt. Über 8.500 erfasste Fällen von Gewalt in engen sozialen Beziehungen weist die Polizeiliche Kriminalstatistik 2007 in Rheinland-Pfalz aus. Dass hier zudem die Dunkelziffer sehr hoch ist, belegen Opferstudien und liegt nicht nur für Insider auf der Hand.“

Bild: Logo Runder Tisch

 

Deshalb wurden von der Landesregierung seit Gründung des RIGG-Projektes landesweit 11 Interventionsstellen eingerichtet - und  seit dem vergangenen Jahr in allen Landgerichtsbezirken so genannte Täterarbeitseinrichtungen geschaffen. Die  Rechtsmedizin Mainz  bietet als weiteres Glied der Interventionskette eine forensische Ambulanz an, bei der Opfer von Gewalt in engen sozialen Beziehungen die Gewaltanwendung dokumentieren lassen können – unabhängig von einer Anzeige oder Strafverfolgung. „Die Polizei beteiligt sich gerne an den Runden Tischen, um so die enge Vernetzung aller Beteiligten zu fördern und dadurch die Hilfestruktur für die Opfer zu verbessern.“, so Klaus Welter. „Die Polizei soll Hilfe leisten, sie soll schützen und ermitteln, statt nur zu schlichten. Es geht darum, dass diese Form der Gewalt der konsequenten Strafverfolgung unterliegt und keinerlei Duldung oder Toleranz erfährt“, fasst Welter den Grundsatz Opferorientierung der Polizei zusammen. 

Auch in den Landkreisen Westerwald, Altenkirchen und Neuwied hat sich die Situation für Gewaltopfer verbessert, neben der Interventionsstelle in Westerburg hat seit Anfang September die Caritas die Arbeit der Interventionsstelle für die Landkreise Altenkirchen und Neuwied übernommen. Zudem werden im November zahlreiche Aktionen in Neuwied und Montabaur auf das Thema aufmerksam machen.

 

Am Runde Tisch Rhein-Westerwald arbeiten Beratungsstellen, Jugendämter, Polizei, Staatsanwaltschaft, Frauenverbände, Kinderschutzdienste, usw. aus den drei Landkreisen zusammen, um das Zusammenwirken  der am Hilfeprozess  beteiligten Institutionen und Verbände zu verbessern.

Informationen zum Runden Tisch gibt es bei: Doris Eyl-Müller, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Neuwied, Tel.: 0 26 31 – 803 410, doris.eylmueller@kreis-neuwied.de