Pferde und Rinder fressen für den Naturschutz - Kreisjagdmeister informiert sich bei der Naturschutzbehörde
Beweidung als Mittel zur Naturentwicklung im Spannungsfeld der jagdlichen Interessen war das Thema zwischen dem Kreisjagdmeister Fürst Carl zu Wied und Reiner Schulz, dem Heckrindexperten bei der Naturschutzbehörde sowie Thomas Kurz, dem Heckrinderhalter aus Neuwied. Der Naturschutz in Deutschland hat sich in seiner Geschichte primär für die Offenhaltung der Landschaften eingesetzt, weniger für Wälder. Dabei finden bzw. fanden Elemente der Kulturlandschaften besonderes Interesse. Seit wenigen Jahren werden auch im Landkreis Neuwied nach dieser Sichtweise Bemühungen verstärkt, nachhaltig Landschaftselemente offen zu halten. Dies ist entweder durch menschlichen Arbeitseinsatz meist ehrenamtlicher Naturschützer geschehen, wird aber auch zunehmend durch Beweidung von großen Pflanzenfressern wie Rinder oder Pferde praktiziert.
Dipl.-Ing. Reiner Schulz von der unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung hat sich in der Vergangenheit mit unterschiedlichen Beweidungsformen befasst. „Es gibt kein Patentrezept für eine Beweidung. Jede Fläche erfordert eine eigene Lösung. Heckrinder leisten andere Arbeit als Schafe oder Kaltblüter. Das muss individuell entschieden werden,“ so der Fachmann. Auch Thomas Kurz weiß, „das unterschiedliche Landschaftstypen unterschiedliche Beweidungsformen benötigen.“
So kann der Heddesdorfer auch einschlägig über den Naturschutzeinsatz seiner Kaltblüter in den ökologisch wertvollen Streuobstwiesen von Segendorf berichten. „Kaltblüter tragen keine „Schuhe“ und beschädigen daher nicht den Boden. Ihr Fressverhalten ist anders und effizienter als das der Schafe. Wichtig ist, dass alle Tiere nach einem flexiblen Beweidungsplan eingesetzt werden. Zu viele Tiere auf zu kleiner Fläche richten mehr Schaden an als das sie Nutzen bringen.“ Aber auch andere Nutzungsansprüche wie Tourismus, Jagd oder Gewässerschutz werden schon heute in der alltäglichen Arbeit berücksichtigt.
Dass Rinder oder Pferde die Ausübung der Jagd blockieren oder erschweren, können sowohl Kurz als auch Schulz klar verneinen. Besonders nach einer fachgerechten Beweidung durch Kaltblüter ist der Aufwuchs von Kräutern und Gräsern wesentlich intensiver und artenreicher. Besonders das Rehwild weiß dies zu schätzen. „Ein Elektrozaun“, so Kurz, „stellt für Rehe kein Hindernis dar“. „Auch im Naturschutzgebiet Meerheck, in dem Heckrinder weiden“, so Reiner Schulz, „wird die Jagd weder erschwert noch unmöglich“.
Fürst Carl zu Wied zeigte sich beeindruckt von den Erfahrungen mit den verschiedenen Beweidungsmethoden. „Dies scheint mir eine geeignete Methode zu sein, unsere Landschaften und Täler im Naturpark Rhein-Westerwald auf Dauer offen zu halten. Das kann die Attraktivität der Landschaft und einzelner Jagdreviere steigern“, so der Kreisjagdmeister und Vorsitzende des Naturparkes.
Infos erteilt: Reiner Schulz, Tel. 02631-803237


