Fachtagung Resilienz: Großes Interesse und viel Information

 

Dass Kinder trotz widrigster Umstände, sprich Vernachlässigung, Gewalterfahrungen oder gar (sexuellem) Missbrauch ihren Weg ohne soziale und/oder psychische Auffälligkeiten gehen, ist ebenso Wirklichkeit, wie die traurige Wiederholung von Schicksalen über Generationen hinweg. Der Frage, warum der Weg aus dem Chaos bei manchen Kindern gelingt, gingen über 80 Vertreterinnen und Vertreter von Beratungsstellen, Kindertagesstätten, Arztpraxen und Vereinen nach, die zur Fachtagung „Resilienz“ des Runden Tisches Rhein-Westerwald im Rahmen des Rheinland-Pfälzischen Interventionsprojektes gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen in das Roentgen-Museum Neuwied gekommen waren, nach.

Bild (v. links): Doris Eyl-Müller, Kreisbeigeordneter Udo Franz, Beate Ullwer und Barbara Schickentanz

 

Dank der Unterstützung des Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen konnte als Fachreferentin Barbara Schickentanz, die stellvertretende therapeutische Leiterin der Kliniken Wied gewonnen werden, die täglich mit Menschen arbeitet, deren Widerstandskraft nicht für ein selbstbestimmtes Leben ohne Drogen ausgereicht hat.

 

Am Beispiel Pippi Langstrumpfs verdeutlichte die Dipl. Psychologin das Phänomen der Resilienz: „Pippi’s Leben weist komplexe Traumatisierungen auf. Sie ist Halbwaise, der Vater, von Beruf Seeräuber, ist anfangs verschollen, meldet sich später allenfalls sporadisch per Post, besucht sie nur äußerst selten. In diesen Fällen ist er auch keine große Hilfe, sondern benötigt eher ihre Unterstützung und ihren Schutz. Sie lebt völlig auf sich gestellt in einem großen Haus, ist auch noch verantwortlich für ein Pferd und einen Affen. Eine Schulbildung kennt sie nicht, kann weder lesen noch schreiben oder rechnen. Und doch meistert sie ihr Leben mit Bravour! Sie gewinnt neue Freunde, steckt sie an mit ihrer Lebensfreude, Kreativität und Abenteuerlust. Sie ist eine intelligente Querdenkerin, freundlich und liebenswert, hat Spaß an Herausforderungen, ist mutig und bärenstark! Sie kämpft für ihre Überzeugungen, tritt für Schwache ein.“ Im Laufe des Vortrages wurden die Faktoren herausgearbeitet, die das „Gedeihen trotz widriger Umstände“ ermöglichten. Hierzu gehörten u.a. eine positive Bindungserfahrung in früher Kindheit oder auch ein soziales Netzwerk über den Familienkreis hinaus.

 

Die Gleichstellungsbeauftragten der Landkreise Westerwald und Neuwied, Beate Ullwer (Westerwaldkreis) und Doris Eyl-Müller (Landkreis Neuwied) konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits zur 3. Fachtagung des Runden Tisches Rhein-Westerwald in Neuwied begrüßen. Die beiden Landkreise teilen sich die anfallenden Arbeiten am Runden Tisch auf. „Der Runde Tisch hat zur Aufgabe, die Interventionsabläufe bei Gewalt in engen sozialen Beziehungen zu verbessern, regionale Stärken und Schwächen in den Abläufen aufzudecken und die Stetige Entwicklung von regionalen Lösungsmöglichkeiten herbeizuführen,“ erläuterte Beate Ullwer.

 

Das Versprechung des Sozialdezernenten des Landkreises, Udo Franz, dass die Anwesenden einen interessanten und vor allem einen informativen Nachmittag erwarten würde, bestätigte sich, da Frau Schickentanz zum Schluss ihres Vortrages eine Vielzahl von Projekten vorstellte, die schon lange in den USA, Israel oder Holland mit positiver Bilanz umgesetzt werden.

 

Die Beiträge der Fachtagung werden im Januar als Broschüre erscheinen und sind bei den Gleichstellungsbeauftragten erhältlich.

 

Bild (v. links): Doris Eyl-Müller, Kreisbeigeordneter Udo Franz, Beate Ullwer und Barbara Schickentanz