Roter Teppich wurde in Neuwied ausgerollt
Ein Roter Teppich setzt seine Reise durch Deutschland fort und macht in Neuwied Halt. Noch bis Mai 2009 wird der Rote Teppich der Kampagne „Frauen Macht Kommune“ des Bundesfrauenministeriums in Kommunen ausgerollt, um mit dieser Aktion für mehr Frauen in der Kommunalpolitik zu werben. Alle Redner, Landrat Rainer Kaul als Kreiswahlleiter, Staatssekretär Christoph Habermann für das Mainzer Frauenministerium und Frau Kathrin Mahler - Walther von der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft für das Bundesministerium betonten, dass seit der Einführung des Frauenwahlrechtes vor 90 Jahren die Zahlen in den kommunalpolitischen Gremien auf Gemeinde- und Stadtebene mit mageren 15% wenig befriedigend seien. Landrat Kaul verwies darauf, dass es auch im Landkreis Neuwied noch frauenfreie Gemeinderäte gebe, die Anzahl der Ortsbürgermeisterinnen mit 10 durchaus überschaubar sei und auch der Kreistag vor der letzten Wahl mit 30% Frauen mal besser besetzt war, als dieser es zur Zeit sei.
Die Doppel- und Dreifachbelastung von Frauen, durch Erwerbsarbeit, Ehrenamt und Haushalt, bzw. Erziehungsarbeit und voraussichtlich in Zukunft auch immer öfter durch Pflegearbeit standen in der Rede Habermanns im Vordergrund. Er sei der festen Überzeugung, dass erst wenn diese Belastungen zwischen den Geschlechtern gleichmäßiger verteilt seien, auch der Anteil der Frauen in den Parlamenten steigen könnte. Deshalb unterstützte das Land nicht nur mit der Kampagne „FRAUEN machen Kommunen stark“ die Motivation von Frauen für die bevorstehende Wahl zu kandidieren, sondern fördere ganz massiv Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, z.B. durch das Audit „berufundfamilie“ und die Beratungsstellen „Zeitzeichen“. Beides richtet sich an Firmen. Frauen können sich bei den „Beratungsstellen für Berufsrückkehrerinnen“ informieren.
Der Bundeskampagne liegt eine wissenschaftliche Untersuchung der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft zugrunde, die deutlich belegt, dass Kommunalpolitikerinnen zumeist in sog. zivilgesellschaftlichen Organisationen aktiv sind, bevor sie für ein politisches Ehrenamt kandidieren. Der Wille sich in einem politischen Ehrenamt zu engagieren wird jedoch durch einige Faktoren gehemmt, so sprechen mangelnde Zeit und Unterstützung durch das persönliche Umfeld, Ängste vor öffentlichem Auftreten und angenommene Unkenntnis, sowie die Befürchtung auf männlichen Strukturen zu treffen oft gegen den Entschluss zu kandidieren.
Dass mit dem Beschluss zur politischen Enthaltsamkeit der Frauen oft ein wichtiger Blickwinkel in der Politik fehle verdeutlichte Annedore Brock, Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft in Neuwied für das örtliche Aktionskomitee. „Dunkle Parkplätze haben für Frauen eine andere Bedrohung als für Männer, weil es sexualisierte Gewalt gibt, die älterwerdende Gesellschaft hat unterschiedliche Konsequenzen für die Geschlechter, weil viel mehr Frauen als Männer Angehörige pflegen.“
„Wir hoffe, dass wir mit dem Roten Teppich einen weiteren Impuls für die Wahlen geben konnten. Der anschließende Workshop jedenfalls hat gezeigt, dass jede Menge Aktionen möglich sind, auch am 8. März beim Internationalen Frauentag im Schloss Monrepos steht die politische Teilhabe von Frauen im Mittelpunkt einer Zeitreise“, so Doris Eyl-Müller, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises. „In Neuwied haben sich zur Unterstützung der Kampagne acht zivilgesellschaftliche Organisationen gefunden, von den kirchlichen Frauenorganisationen über die Beratungsstellen bis hin zu Vereinen und den Landfrauen, das ist ein Zeichen dafür, dass die Bildungsarbeit der Gleichstellungsbeauftragten und der Kreisvolkshochschule im Landkreis Neuwied mit Rats- und Vereinsfrauen Früchte träg. Ich bin sicher, dass wenn Bundes- und Landesregierung auch weiterhin an der Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf arbeiten und Institutionen, Verbände und Vereine vor Ort unterstützen, werden wir den Anteil der Frauen in den Räten erhöhen, an mangelndem Ideenreichtum und Interesse, sowie fehlender Kompetenz seitens der Frauen liegt es auf jeden Fall nicht, auch die Politik selbst muss sich ein wenig bewegen, wenn sie um Frauen mit knappem Zeitbudget werben will“, fasst Doris Eyl-Müller den Aktionstag zusammen.


