Biotope werden durch das Land neu erfasst – Hallerbach: Belange müssen berücksichtigt werden
Die schutzwürdigen und die geschützten Biotope werden über den Landkreis Neuwied neu erfasst. Wie der 1. Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach auf einer Informationsveranstaltung in der Kreisverwaltung erläuterte, lässt das Land Rheinland-Pfalz derzeit das in die Jahr gekommene Biotopkataster durch die Landkreise und kreisfreien Städte aktualisieren. Das 2006 im Land gestartete Vorhaben soll 2009 in Neuwied umgesetzt werden. Die Kreisverwaltung setzt im Vorfeld der Kartierungen auf einen Dialog mit den Kommunen, den Interessenverbänden der Land- und Forstwirtschaft sowie der Rohstoffbetriebe und weiteren öffentlichen Dienststellen.
Das Biotopkataster wird nur einen Teil des Landkreises umfassen. Die beauftragten Biologen und Geographen werden nach landesweit einheitlichen Kriterien ausschließlich die naturnahen Landschaftsteile begehen und dabei Pflanzenarten aufnehmen und Lebensräume abgrenzen. Die Kartierkulisse umfasst die Schutzgebiete im europäischen Netz Natura2000, die Naturschutzgebiete und alle bereits vom Landesamt für Umweltschutz, Wasserwirtschaft und Gewerbeaufsicht in den 80er Jahren erfassten Biotope. Zusätzlich dazu werden Gebiete begangen, in denen wertvolle Arten und Lebensräume vermutet werden können. „Diese sind in einem intensiven Abstimmungsprozess mit dem Beirat für Naturschutz und durch Literaturrecherche ermittelt worden,“ so Tobias Bufler von der unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung.
Die Gesellschaft für Umweltplanung aus Bonn erläuterte, dass nur nach solchen Flächen gesucht werde, die landläufig als ‚Biotope’ bezeichnet werden. Darunter fallen Röhrichte, Bruch- und Auenwälder, Heiden und Moore, Felsen, Trockenrasen und Feuchtwiesen, Quellen und naturnahe Fließgewässerabschnitte sowie Schluchtwälder. Diese besonderen Landschaftsteile sind inzwischen selten geworden und beherbergen eine Vielzahl gefährdeter Pflanzen- und Tierarten. Daher stehen diese unter gesetzlichem Schutz. „Nicht minder bedeutsam sind die übrigen schutzwürdigen Biotope, die oftmals den Charakter der Kulturlandschaft ausmachen,“ so Bufler. Streuobstwiesen, Hauberge und brachgefallene Weinberge sind typische Landschaften um die alten Ortslagen, entlang des Rheins und der Wied. Viele der genannten Biotope haben sich unter dem Einfluss der Landwirtschaft oder der Waldwirtschaft entwickelt und sind Zeugen einer reichen Kultur am unteren Mittelrhein und im Westerwald. Zusammen mit dem Schutzgebietssystem Natura2000 wahren diese Biotope und Landschaften die biologische Vielfalt, zu der sich die Staaten auf der Biodiversitätskonferenz der UNO in Bonn im Mai 2008 verpflichtet haben.
Eine breite Akzeptanz bei den Grundeigentümern zu erreichen ist dem 1. Kreisbeigeordneten Achim Hallerbach ein wichtiges Anliegen, wie er mehrfach betonte. Daher kündigte er weitere Gespräche mit einzelnen Nutzergruppen an. „Obwohl es nicht in unserer Zuständigkeit liegt, sehen wir uns in der Pflicht, diesen Prozess offensiv zu begleiten und eventuelle Konflikte an die Zuständigkeit des Landes weiterzuleiten,“ unterstrich Hallerbach.
Nach Abschluss der Arbeiten werden die Ergebnisse in einem weiteren Informationsgespräch vorgestellt. Das Biotopkataster wird jedermann im Internet im Landschaftsinformationssystem zur Verfügung stehen.

