Studie veranlasst zu kritischer Kommentierung

 

„99 Prozent der Kitas sind am Samstag geschlossen....96 Prozent haben unter der Woche nach 18 Uhr nicht mehr geöffnet. In zwei Drittel der Kitas kann man seine Kinder allerdings bereits vor 7.30 Uhr am Morgen betreuen lassen.“ Das sind einige „wichtige Ergebnisse“, des sog. KiTA-Checks, einer Studie, die der Deutsche Industrie- und Handelskammertag im vergangenen Jahr bundesweit bei Kindertagesstätten durchgeführt und jetzt veröffentlicht hat.

 

An der Art und Weise der Erhebung sowie der Darstellung der Ergebnisse sieht der zuständige 1. Kreisbeigeordnete, Achim Hallerbach, jedoch deutliche Ansatzpunkte für eine kritische Kommentierung: „Ich freue mich, dass die DIHK-Studie einen Themenschwerpunkt aufgreift, dem wir uns im Kreisjugendamtsbezirk Neuwied schon seit längerer Zeit verpflichtet sehen: der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ich sehe jedoch auch Schwachpunkte, die nicht kritiklos hingenommen werden können.“ Dass Vereinbarkeit von Famile und Beruf sowie eine optimale Kinderbetreuung für den Kreis Neuwied ein ständiges Anliegen sei, verdeutlicht er damit dass nicht nur die Zahl der Plätze für die Aufnahme von Kindern unter drei Jahren sondern auch für die Ganztagsbetreuung in den zurückliegenden Jahren stetig angewachsen ist und auch in Zukunft weiter ansteigen wird. Jüngstes Beispiel dafür, wie ernst der Landkreis Neuwied als örtlicher Jugendhilfeträger den Wunsch von Eltern nimmt, ist der vergleichsweise kleine und ländlich gelegene Kindergarten in Kasbach-Ohlenberg. In den vergangenen Jahren entsprach ein Betreuungsangebot in Form eines verlängerten Vormittagsbesuches mit bis zu sieben Stunden täglich „an einem Stück“ dem von Eltern artikulierten Bedarf nach einer Betreuung; zukünftig soll es auch hier ein ganztägiges Betreuungsangebot geben.
Viele Punkte, die der KiTA-Check pauschal als verbesserungswürdig formuliert, passen allerdings nach Auffassung des 1. Kreisbeigeordneten nicht so recht zur Ausgangslage in Rheinland-Pfalz oder den spezifischen Gegebenheiten des ländlich strukturierten Kreises Neuwied. „In den Öffnungszeiten unserer Kindertagesstätten spiegelt sich wider, dass viele Eltern, überwiegend Mütter, einer Berufstätigkeit außerhalb ihres Wohnortes nachgehen. Für diese „Auspendlerinnen“ ist es wichtig, dass die Kindertagesstätte eine frühe Öffnungszeit am Vormittag anbietet und ihre Kinder dort nach Möglichkeit ein warmes Mittagessen bekommen. Aus diesem Grund öffnet keine Kindertagesstätte im Kreis Neuwied später als 7.30 Uhr, in zwei Drittel aller KiTAs im Kreis werden die Kinder schon ab 7 Uhr erwartet.
Der verlängerte Vormittagsbesuch deckt bis zu sieben Stunden Betreuungszeit ab und ermöglicht vielen Müttern die gewünschte Teilzeitbeschäftigung. Tatsächlich können schon heute in 80 % aller Kindertagesstätten im Kreis Kinder ein warmes Mittagessen bekommen, zum Teil als „Ganztagskinder“ aber oft auch im Rahmen des verlängerten Vormittagsbesuchs.
Wer für sein Kind ein – zeitlich darüber hinausgehendes Betreuungsangebot benötigt, hat zur Zeit in 38, ab Sommer 2009 in mindestens 40 KiTAs die Möglichkeit, alternativ einen Ganztagsplatz in Anspruch nehmen zu können. Dieses Ganztagsangebot deckt eine tägliche Öffnungszeit von 9, teilweise sogar bis zu 10 Stunden ab.
Für die beiden ältesten Jahrgänge im Kindergarten sind diese Plätze längst beitragsfrei; bis August 2010 wird es die weitergehende Beitragsfreiheit geben, so dass Eltern spätestens dann für ihre Zweijährigen im Kindergarten keinen Elternbeitrag mehr zahlen müssen.
Einen weiteren wichtigen Eckpfeiler zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf hat der Landkreis Neuwied noch einmal besonders in den Fokus genommen: die Betreuung in den Ferienzeiten. „Zwar ist eine Schließzeit in den Ferienzeiten bisher mit durchschnittlich 10-15 Schließtagen in den Sommerferien nicht unüblich und viele Träger sprechen sich hier bereits seit Jahren untereinander ab. „Wir haben die Träger und Leitungen bereits vor geraumer Zeit noch einmal für das Thema sensibilisiert. Durch das Angebot versetzter Ferienzeiten benachbarter Einrichtungen, Kooperationen zwischen benachbarten Trägern oder auch das Angebot von Tagespflege möchten wir den Familien, die die Betreuung in den Ferien nicht selbst sicherstellen können Hilfestellung und Unterstützung geben“, so Hallerbach.
Überhaupt ist die Tagespflege durchaus ein probates Betreuungsinstrument in sog. „Randzeiten“ wie etwa nach 18 Uhr oder am Samstag, denn der bislang hier vorgetragene Bedarf würde zur Zeit keine Öffnung eines Kindergartens rechtfertigen. „Leider ist dieser Bereich, der in unserem Fall erst ein zusammenhängendes Bild entstehen lässt, bei der DIHK-Studie – quasi per Fußnote – komplett ausgeklammert,“ bedauert der Kreisbeigeordnete.
Ebenfalls deutlich zu kurz kommt nach seiner Einschätzung die Frage nach einer sinnvollen Umsetzung pädagogischer Inhalte. „Es gibt verschiedene Studien, die belegen, wie wichtig Kontinuität und Voraussehbarkeit von Ereignissen für die Entwicklung von Klein- und Kleinstkindern sind. Besonders prägend sind dabei neben der Beziehung zu den Eltern auch die Beziehungen zu Erzieherinnen und Erziehern oder die Beziehungen von Kindern untereinander. Je flexibler Angebote ausgestaltet werden sollen, um so mehr werden diese Dinge zwangsläufig auf der Strecke bleiben. Bei allem Verständnis für die Forderung nach größtmöglicher Flexibilität müssen wir deshalb unsere erste Verpflichtung, nämlich das Kindeswohl, immer im Blick behalten.“ Die einzige inhaltliche Aussage der Studie, wonach 58 % der KiTAs Sprachförderung anbieten, stellt sich in Rheinland-Pfalz und speziell im Landkreis Neuwied deutlich anders dar. Seit 2006 ist die Sprachförderung nicht allein ständige Aufgabe von Bildung und Erziehung im Kindergarten sondern durch das „Landesprogramm Zukunftschance Kinder“ noch einmal deutlich akzentuiert. Kreisweit können zur Zeit nahezu 500 Kinder in 42 (von 52) KiTAs an einer von insgesamt 69 Sprachfördermaßnahmen teilnehmen.