Denglisch als Grippevirus der deutschen Sprache
Gehörte die deutsche Sprache zur Tierwelt, wäre sie längst auf die rote Liste der bedrohten Arten aufgenommen worden. Der 1997 gegründete Verein Deutsche Sprache (VDS) hat derzeit über 30.000 Mitglieder in 95 Ländern und besitzt zahlreiche Regionalgruppen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die deutsche Sprache zu schützen. Und um diese ist es nach Ansicht des Vereins schlecht bestellt. Denn das, was wir tagtäglich hören und lesen, verdient die Bezeichnung deutsche Sprache oft nicht mehr und ist eher der Kategorie Kauderwelsch zuzurechnen. „ Ziel des Vereins ist die Förderung und Weiterentwicklung der deutschen Sprache und die Abwehr sprachzerstörender Anglizismen, das sog. „Denglisch“, erläuterte Prof. Dr. Heinz-Günther Borck, Vorsitzender der Regionalgruppe 56 für das nördliche Rheinland-Pfalz. Eine Ausstellung im Foyer der Kreisverwaltung zeigt Prämierungen der 2008 und 2009 ausgeschriebenen Wettbewerbe mit dem Titel „Werbewerke“.
So wurde nach Fotos Ausschau gehalten, die die phantasievollsten, innovativsten und vielleicht sogar amüsantesten Ideen deutscher Werbung darstellen. Bei den eingereichten Werbeplakaten wird vielmals pfiffig die Geschäftstätigkeit des Unternehmens beschrieben und auf unterhaltsame Art und Weise mit Worten der deutschen Sprache gespielt. So wäre zum Beispiel der Geschäftsname „Schnittstelle“ eine phantasievolle Verfremdung eines mathematischen Begriffs, um einen Friseurbetrieb zu betiteln, erläuterte die Bendorfer Sprachkünstlerin und Autorin Ursula Klee. Auch das Ladenschild "Tapetenwe(x)el" erregt mehr Aufmerksamkeit als etwa „booking office“ oder „travel agency“ und wirbt für ein Reisebüro. Doch genauso sucht die Regionalgruppe 56 des VDS nach Gegenbeispielen, die sich aufgrund ihrer Einfallslosigkeit hinter (oft un-)englischen Ausdrücken verbergen, die Kunden in den seltensten Fällen richtig verstehen. „So ist z.B. der Werbespruch "(N.N.) goes school", der die Zusammenarbeit des Unternehmens mit Schulen bezeichnen soll, nichts weiter als schlechtes Englisch,“ stellt Prof. Dr. Borck klar. Auch der Airbag im Auto, 1980 auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt/Main von Daimler-Benz als „Luftsack (deutsches Patent 2152902 C2)“ vorgestellt, ist in Wirklichkeit ein durch ein Explosivgas aufgeblasenes Prallkissen. Das englische "airbag" ist nicht nur irreführend (weil es sich ja nicht um Luft handelt), sondern schadet obendrein Ansehen und Absatz der deutschen Industrie, weil die deutsche Ingenieursleistung als ausländisches Erzeugnis erscheint.
Beim ersten Wettbewerb „Werbewerke“ 2008 wurde übrigens die Real-SB-Warenhaus GmbH mit ihrem Plakat "Wie mögen Sie Ihre Birne? Frisch, als Obstler oder von Osram?" ausgezeichnet. Die Werbeverantwortlichen hatten hier geschickt das „Birne“ zur Bezeichnung der ganzen Vielfalt des Warenangebotes eingesetzt. Wer mehr über den Verein Deutsche Sprache erfahren will kann sich an Herrn Prof. Dr. Heinz-Günther Borck wenden. Email: borck@obere-meerbach.de
Foto: Der 1997 gegründete Verein Deutsche Sprache (VDS) zeigt mit einer Ausstellung im Foyer der Kreisverwaltung die Prämierungen der 2008 und 2009 ausgeschriebenen Wettbewerbe mit dem Titel „Werbewerke“. V.r.n.l..: Prof. Dr. Heinz-Günther Borck, Landrat Rainer Kaul, Organisatorin Andrea Oosterdyk (Kreisverwaltung Neuwied), Winfried Klein, 2. Vorsitzender der Regionalgruppe, Ursula Klee, freie Wortkünstlerin aus Bendorf sowie Walter Busch, ein engagiertes Vereinsmitglied.


