Kreisweites Engagement gegen Neophyten
Im Kreis Neuwied hat sich auf Anregung des Netzwerkes-Naturschutz-Neuwied (eine Arbeitsgruppe der Lokalen Agenda 21 im Kreis Neuwied aus 16 Naturschutz-Vereinen und -Gruppen), eine Initiative gegen die weitere Ausbreitung dieser Neophyten gebildet. Sie wird von der Kreisverwaltung, vom Naturpark Rhein-Westerwald und vom Forstamt Dierdorf unterstützt. Vor wenigen Wochen wurden alle Ortsbürgermeister, Forstrevier- und Hegeringleiter im Kreis informiert und ihnen ein Konzept zur Eindämmung dieser Arten nahegebracht. Von vielen wurde Unterstützung zugesagt. „ Wir werden im Herbst zu einem runden Tisch in die Kreisverwaltung einladen, um zusammen mit allen beteiligten Akteuren die weitere Ausbreitung der Neophyten mit einer nachhaltigen Strategie begegnen zu können“, so Achim Hallerbach, 1. Kreisbeigeordneter und zuständiger Dezernent für den Bereich Naturschutz.
Immer wieder gelangen gebietsfremde Pflanzenarten, sogenannte Neophyten, auf verschiedenen Wegen in unsere Landschaften: Einige dieser Pflanzen treffen bei gleichzeitigem Fehlen von natürlichen Konkurrenten auf so ideale Bedingungen, dass sie sich ungehemmt ausbreiten und alle anderen Arten verdrängen. Das Ergebnis ist eine triste Monokultur, die dann nur wenigen heimischen Tieren Nahrung und Lebensraum bietet.
Die Herkulesstaude (Riesenbärenklau) aus Asien besiedelt bisher nur relativ kleine vereinzelte Flächen. Der Japanische Knöterich breitet sich in größeren Bachtälern und vor allem entlang von Straßen- und Bahndämmen aus. Das Indische Springkraut aber hat sich schon in zahlreichen Bachtälern angesiedelt und erobert zunehmend auch die Waldhänge.
Bisher wurde gegen diese Arten meist nur vorgegangen, wenn die menschliche Gesundheit wie im Falle von Herkulesstaude und Ambrosia betroffen war. Doch obwohl nach europäischem Recht auch aufgrund des Artenschutzes eine massive Ausbreitung von aggressiven Neophyten zu verhindern ist, wurden in Deutschland bisher noch selten energische Schritte eingeleitet.
Der Herkulesstaude nehmen sich wegen der erforderlichen Schutzkleidung vorwiegend die Förster an. Gegen den Knöterich hoffen die Initiatoren, vordringlich die Bauhöfe und Straßenmeistereien zu gewinnen.
Aber zur Zurückdrängung des Indischen Springkrautes kann jedermann beitragen, da die Pflanze gesundheitlich völlig unbedenklich und sehr leicht auszureißen ist. „Diese Pflanzenart stellt nicht nur eine Gefahr für die Artenvielfalt, sondern auch für den Freizeitwert unserer Täler dar, da die bis zu drei Meter hohen Pflanzen jeden Ausblick verhindern und durch ihren widerlich süßlichen Geruch im Spätsommer bei Massenausbreitung eine echte Belästigung darstellen,“ erläutert die Biologin Simone Brietzke als Initiatorin der Initiative. Hinzu kämen eventuelle wirtschaftlich relevante Folgen durch die Verringerung der Stabilität der Ufer und gegebenenfalls eine Behinderung der Naturverjüngung der Wälder. Viele Naturschutzvereine engagieren sich bereits seit Jahren im Kreis Neuwied gegen das Indische Springkraut. In den gepflegten Bereichen, wie zum Beispiel im oberen Fockenbachtal in der Verbandsgemeinde Rengsdorf konnte das Vorkommen schon innerhalb eines Jahres auf einen Bruchteil reduziert werden. Aber viel ist noch zu tun und viele Hände werden benötigt. Daher richtet sich die Bitte der beteiligten Einrichtungen auch an die Bevölkerung, die Bemühungen durch Ausreißen oder Abmähen der Pflanzen des Indischen Springkrautes zu unterstützen. Gruppeneinsätze unter Beteiligung von Ortsvereinen, Schulklassen etc. in den jeweiligen Tälern vor Ort könnten zum schnellen Erfolg beitragen. Detaillierte Informationen zum empfohlenen Vorgehen sind unter www.agenda-ring.de -> Natur und Umwelt -> Neophyten herunterzuladen. Ansprechpartnerin für den Agenda-Ring Rhein-Westerwald Geschäftsführerin Frau Simone Brietzke - Tel.: 02639 961969.



