Biotopkartierung vorgestellt - Hallerbach: Gemeinsamer Dialog schafft Verständnis

 

Alle Biotope im Landkreis Neuwied werden derzeit neu erfasst und einer umfassenden Neukartierung unterzogen. Nach einer bereits im Mai von der Kreisverwaltung Neuwied durchgeführten Informationsveranstaltung für Verbandsvertreter aus Land- und Forstwirtschaft, Rohstoffbetrieben und Vertreter von Landesbehörden wurden nun in einem weiteren Schritt die Landnutzer, d.h. Bauern und Winzer über den aktuellen Stand informiert. Der 1. Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach hatte gemeinsam mit dem Kreiswaldbauverein und dem Bauern- und Winzerverband hierzu eingeladen. „Wir wollen Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen“, so Hallerbach.

 

Die Veranstaltung stieß auf große Resonanz. Viele Teilnehmer wollten von der beauftragten Gesellschaft für Umweltplanung in Bonn wissen, ob Sie in Ihrer täglichen Wirtschaftsweise durch die kartierten Biotope eingeschränkt würden. Die Erklärungen der Biologin Maria Luise Regh, dass nur eine geringe Zahl von Biotoptypen dem pauschalen gesetzlichen Schutz unterliegen und sich diese auch für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung nur wenig eignen, überzeugte bereits einige im Auditorium von der Notwendigkeit der Neu-Erfassung.

 

Eine Nutzung von sehr nassen und sehr trockenen Biotopen wie Röhrichte und Felsen schließt sich schon aufgrund der Bodenverhältnisse aus. Auch können steile Hänge die Holznutzung natürlicherweise einschränken, so dass wertvolle Schluchtwälder auch im Sinne von Hangschutzwäldern erhalten bleiben, erläuterte Regh. Feuchtwiesen sind sogar auf eine nachhaltige Nutzung oder Pflege angewiesen. In europäischen Schutzgebieten wird die extensive Bewirtschaftung durch das Land Rheinland-Pfalz gefördert, fügte Tobias Bufler von der unteren Naturschutzbehörde  der Kreisverwaltung Neuwied hinzu.

 

So wie sich jeder Landnutzer um den guten Zustand seiner Wald- und Wiesenflächen kümmert, so kann er auch für die pauschal geschützten Biotope Verantwortung übernehmen, lautete ein Einwurf aus dem Publikum. Aufgrund der Vielzahl kleinerer Biotope besteht zur Eigenverantwortung keine Alternative, jedoch ist der Eigentümer nicht zum aktiven Handeln verpflichtet, ergänzte Bufler. Eine Beeinträchtigung in erheblichem Umfang oder gar die Zerstörung ist jedoch verboten, so die Rechtslage.

 

Für den Kreiswaldbauverein dankte die Vorsitzende, Dr. Gisela Born-Siebicke, für die rege Diskussion. Sie erinnerte daran, dass die Neuaufstellung des Biotopkatasters auf der gesetzlichen Grundlage des Landesnaturschutzgesetztes erfolge und der Kreis den Anforderungen des Umweltministeriums nachkomme. Ihr Anliegen sei es, die Landnutzer zu informieren und Vorbehalte im gemeinsamen Gespräch abzubauen, ergänzte sie. Die Ergebnisse der Kartierung werden im Frühjahr 2010 im Landschaftsinformationssystem des Landes Rheinland-Pfalz öffentlich zugänglich gemacht.

 

Der Erste Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach unterstrich: „In der aktiven Diskussion wird deutlich, dass der von der Kreisverwaltung in Zusammenarbeit mit den Verbänden angebotene Dialog der richtige Umgang mit der Thematik ist, um für Akzeptanz zu werben. Rund 20 Prozent der Kreisfläche wurden untersucht; dies bedeutet jedoch nicht, dass alle diese Flächen Biotope darstellen werden“. Er tritt damit auch dem Vorurteil entgegen, dass bei Biotopen der Fokus zu sehr auf die Belange von Natur und Umwelt gerichtet seien und damit Mensch und Wirtschaft benachteiligt würden.