Halbwilde Heckrinder im Engerser Feld schützen unser Trinkwasser
Weltwassertag 2010 - Am Hafensee ist Ruhe eingekehrt - Keine Badenden mehr
Der am 22.03. jährlich stattfindende Weltwassertag geht auf eine Resolution der Vereinten Nationen zurück und wird seit 1993 jährlich begangen. In diesem Jahr steht er unter dem Motto "Sauberes Wasser für eine gesunde Welt". Eingebunden ist der Weltwassertag in das Jahrzehnt des "Wasser für das Leben". Die Vereinten Nationen haben sich damit das Ziel gesetzt, Regierungen, Organisationen und Menschen in aller Welt aufzurufen, nachhaltig gesunde Ökosysteme zu erhalten und den Schutz des Trinkwassers zu gewährleisten.
Das Kreiswasserwerk und die Stadtwerke Neuwied fördern aus dem Trinkwasserschutzgebiet Engerser Feld Trinkwasser für ca. 140.000 Bürger aus dem Stadt- und Kreisgebiet. Das Engerser Feld ist gleichzeitig als Vogelschutzgebiet ausgewiesen.
In der Vergangenheit nutzten viele Besucher trotz Verbotsschildern insb. den Hafensee zum Baden und Lagern. An schönen Sommerwochenenden fand man oftmals keinen freien Platz mehr für sein Handtuch. Selbst die durchgeführten Kontrollen und Verwarnungen hielten die zahlreichen Besucher nicht davon ab, überall mit ihren Autos zu parken und an den See zu gehen.
Der Hafensee wie auch die anderen Seen im Engerser Feld bestehen aus freigelegtem Grund-wasser. Durch Verunreinigungen wie z.B. Hundekot, Essensreste und andere Abfälle, Sonnenöl durch Badende und an den Ufern Lagernde oder Ölverluste von Fahrzeugen besteht die Gefahr einer Verschlechterung der Wasserqualität.
Somit ergaben sich erhebliche Zielkonflikte einerseits aus den Belangen des Trinkwasser- und des Naturschutzes und andererseits den Interessen der Naherholung und Bewirtschaftung des Gesamtgebietes.
Aufgrund der unterschiedlichsten Nutzungsansprüche und der damit verbundenen Probleme im gesamten Engerser Feld, beschloss die Stadt Neuwied 2001 das "Handlungs- und Nutzungskonzept Engerser Feld". Ziel war dabei insb. die Beruhigung von Teilen des Wasserschutzgebietes z.B. durch Besucherlenkung und die ökologische Aufwertung des Vogelschutzgebietes durch eine extensive Beweidung. Im Jahre 2005 erfolgte der Beschluss über eine extensive Beweidung mit Heckrindern, im März 2008 war Erstauftrieb.
Auf einer mit einem elektrischen Weidezaun abgegrenzten Fläche von ca. 33 ha weideten nun die ersten Heckrinder. Sie werden von Thomas Kurz betreut, der mit der extensiven Haltung dieser Tiere große Erfahrungen aus einem anderen Beweidungsprojekt der Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung hat. Bewusst haben die Verantwortlichen in Stadt und Kreis diese Abbild -Rückzüchtungen des früher auch hier lebenden, aber ausgestorbenen "Ur" oder "Auerochsen" gewählt. Es sind keine domestizierten und streichelbaren, sondern halbwild gehaltene Tiere. Derzeit befinden sich 18 Tiere auf der Weide. Selbst aus der Entfernung flößen sie dem Betrachter Respekt ein. Das ist auch gewollt. "Es sollte niemand das Risiko eingehen", so Reiner Schulz von der Unteren Naturschutzbehörde bei der Kreisverwaltung Neuwied, "die Weidefläche zu betreten. Er befindet sich dann in Lebensgefahr". Die Heckrinder besitzen ein ausgeprägtes Sozial- und Revierverhalten, so dass selbst in die Weide eindringende Hunde angegriffen werden.
Ein weiterer Schutz für das Trinkwasser besteht in der Einzäunung des Hafensees. Die Wasserfläche ist eingezäunt, die Tiere gelangen nicht an das Wasser und es können somit auch keine Verunreinigungen ins Wasser gelangen.
Bürgermeister Reiner Kilgen und 1. Kreisbeigeordneter Achim Hallerbach ließen sich vor Ort über den Stand des Beweidungsprojektes informieren. Sie zeigten sich beeindruckt und lobten die Arbeit, die Thomas Kurz mit seinen Heckrindern zum Wohle des Naturschutzes und des Trinkwasserschutzes durchführt.
Stadt- und Kreisverwaltung sind sich einig. Hallerbach:"Die gute Zusammenarbeit beider Verwaltungen bei diesem Projekt und insb. die durch Thomas Kurz äußerst engagiert und verantwortungsvoll betriebene Haltung der Heckrinder führen in einem kleinen Bereich des Engerser Feldes zu einem wirksamen und effektiven Schutz unseres so kostbaren Gutes Trinkwasser." Das eingezäunte Gebiet ist so gut wie menschenleer; Nackte, Badende, Sonnenhungrige und andere sind seitdem nicht mehr gesehen worden. Auch Kontrollen erübrigen sich; ggf. eintretende Missstände werden von Thomas Kurz gemeldet, er oder seine Frau schauen jeden Tag nach den Tieren.
Die erkennbare positive Entwicklung des Gebietes lässt deswegen auch keine Führungen oder Exkursionen durch das Gebiet zu. Weitere flankierende Maßnahmen wie z.B. die erfolgte Auslagerung des Modellflugplatzes, die Errichtung von zwei Beobachtungstürmen, von denen man die Herde und die Wasserfläche mit den Wasservögeln gut einsehen kann und mehrerer Informationstafeln sollen zusätzlich dazu beitragen, die Akzeptanz für die Beweidung und die Schutzmaßnahmen für das Trinkwasser weiter zu erhöhen.


