Regenerative Energiequellen und Nutzung umweltschonender Energiegewinnungsprozesse
Regenerative Energiequellen und die Nutzung umweltschonender Energiegewinnungsprozesse stehen mit auf der Agenda des Klimaschutz-Masterplans des Landkreises Neuwied. Hier sieht der Erste Kreisbeigeordnete und Umweltdezernent Achim Hallerbach noch großes Gestaltungspotenzial. Anlässlich eines Ortstermins trafen sich Hallerbach (rechts), Verbandsgemeindebürgermeister Michael Mahlert (2.v.l.) und Prof. Dr. Georg Wieber (3.v.l.), Leiter der Regionalstelle Nord der SGD sowie Honorarprofessor an der Universität Mainz in Bad Hönningen, um mögliche Maßnahmen auszuloten.
Aus dem Untergrund können durch die besonderen geologischen Formationen warme Tiefenwässer aufsteigen, die eine Temperatur bis 30 Grad erreichen.“ so Prof. Dr. Georg Wieber, Leiter der regionalstelle Nord der SGD sowie Honorarprofessor an der Uni Mainz.
Hier befinden sich die Wasserfassungen von Arienheller, Deutschlandsprudel und Hubertus Sprudel. Hydrochemisch handelt es sich um „eisenhaltige Natrium-Magnesium-Hydrogencarbonat-Chlorid-Wässer“. Die Förderung findet über Brunnen statt, die Tiefen bis über 300 m aufweisen.
Es bestanden Wasserrechte zur Entnahme von Thermalwasser in der Größenordnung von 800.000 m³/a. Dies entspricht etwa 25 l/s. Bei einer Abkühlung um „nur“ 10 K entspricht dies einem geothermischen Potential von etwa 1.000 kW. In erster Näherung ließen sich damit mehrere öffentliche Gebäude oder ganze Wohngebiete beheizen.
Das beschriebene geothermische Potential wird derzeit nur unzureichend genutzt. Die mit etwa 30 °C vorliegenden Thermalwässer können mit moderner Wärmepumpentechnik nutzbar gemacht werden. Mit dieser Technik können effizient und ökologisch Heizungsvorlauftemperaturen von bis etwa 55°C erreicht werden. Nutzungen bieten sich prinzipiell für Neubaugebiete bzw. größere Einzelbauvorhaben, Aquakulturen etc. an.
„Die Ressourcen an fossilen Brennstoffen und Uran sind endlich. Es gehört aber zu den wichtigsten Aufgaben der Daseinsfürsorge, die Kontinuität in der Energieversorgung sicherzustellen. Deshalb müssen wir neue Technologien zur Energieversorgung nutzen, die insbesondere der heutigen Notwendigkeit an eine möglichst CO²-neutrale Energiegewinnung genügen. Eine nachhaltige Energieversorgung wird immer mehr zu einem entscheidenden Standortfaktor für Investoren.“, so Achim Hallerbach.
Nach Angaben der Agentur für erneuerbare Energien lässt sich der Anteil der Geothermie an der Wärmeerzeugung von 3,6% im Jahr 2008 auf 32% im Jahr 2020 steigern. Hallerbach erläutert: „Das Institut für geothermisches Ressourcenmanagement hat den Auftrag zu prüfen, ob sich diese Art der Energieversorgung in der Region Bad Hönningen als technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll anbietet.“
Bürgermeister Mahlert ergänzt: „Gedankenspiele zur Wärmenutzung unserer Thermalwässer gab es immer mal. Neu und für mich vielversprechend ist der ganzheitliche Ansatz dieses Masterplanes, der nicht auf Einzelvorhaben abzielt, sondern grundsätzliche Verwertungsmöglichkeiten in der Region sowie Synergieeffekte aufzeigen soll.“
Prof. Dr. Georg Wieber lobt die Neuwieder Initiative: „Wir sind in Rheinland-Pfalz auf diesem noch jungen Forschungsgebiet im Bereich der angewandten Geologie ganz vorn mit dabei und wollen in diesem praxisnahen Masterplan neue Wege zur Energieversorgung der Zukunft aufzeigen.“
Mit ersten Ergebnissen dieses innovativen Projektes ist in drei Monaten zu rechnen.


