Aktionstag räumt mit Vorurteilen auf - Ältere Verkehrsteilnehmer im Straßenverkehr: Gefährlich oder gefährdet?

Expertenteam gibt Tipps zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr

 

Mit den Worten „Wir wollen, dass Sie mobil bleiben“ eröffnete der Vorsitzende der AG Senioren im Forum Verkehrssicherheit, Manfred Brummer, den Aktionstag 2009 und stellte klar, dass es nicht darum gehe, ältere Verkehrsteilnehmer „aus dem Verkehr zu ziehen“,  sondern vielmehr darum, die Eigenverantwortung der älteren Kraftfahrer zu stärken und ihnen zu ermöglichen, ihre Fähigkeiten, sich im Verkehr sicher zu bewegen, realistisch einzuschätzen. Seit sieben Jahren veranstaltet das Forum Verkehrssicherheit mit seinem Expertenteam unter Federführung der Landesverkehrswacht einen Aktionstag für ältere Menschen, die aktiv am Straßenverkehr teilnehmen – an wechselnden Orten mit wechselnden Themen. In diesem Jahr war das Forum zu Gast in der Kreisverwaltung Neuwied.

Von links: Landrat Rainer Kaul, Seniorenbeauftragte Andrea Oosterdyk, Verkehrspsychologe Axel Uhle, Ewald Temig von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung/Landespolizeischule, Rita Schlemmer, Landesbetrieb Mobilität, Manfred Brummer, Dr. Dagmar von Braunschweig.

 

Der Aktionstag fand reges Interesse: Bis auf den letzten Platz war der historische Saal mit gut 115 Seniorinnen und Senioren besetzt. „Die hohe Resonanz zeigt, wie lernbegierig und aufgeschlossen die ältere Generation ist und somit ein hohes Verantwortungsbewusstsein aufweist“ stellte Landrat Rainer Kaul bei seiner Begrüßung erfreut fest. Er wies darauf hin, dass ein großer Teil der Seniorinnen und Senioren in ländlicher Umgebung lebe und dass Mobilität hier eine wichtige Voraussetzung sei, um selbstbestimmt und unabhängig zu bleiben. Er begrüßte Frau Dr. Dagmar von Braunschweig aus dem Mainzer Verkehrsministerium, die die Bedeutung der Aktivitäten des Forums Verkehrssicherheit für die Landesregierung herausstellte. In ihrem einführenden Referat umriss sie die demographische Entwicklung mit einer wachsenden Zahl älterer und hochaltriger Menschen und nannte Zahlen zur Unfallbeteiligung. Auch wenn ältere Menschen im Unfallgeschehen oft Opfer, etwa als Fußgänger sind, zeigen die Zahlen, dass ältere Menschen mit steigendem Alter immer häufiger auch Unfallverursacher sind. Auch wenn das Älterwerden sehr individuell und sehr unterschiedlich verlaufe, steige die Wahrscheinlichkeit, dass Funktionseinbußen auftreten mit zunehmendem Alter, etwa bei der Informationsaufnahme und –verarbeitung. Die gute Nachricht dabei: Altersbedingte Einschränkungen müssen nicht zwangsläufig zu einem Rückzug oder der Abgabe des Führerscheins führen. Denn ältere Menschen sind häufig in der Lage, diese Entwicklung durch eine Reihe von Maßnahmen zu kompensieren: Wer die eigenen Schwächen kenne, könne auch gezielt Gegenmaßnahmen planen oder einen Ausgleich schaffen, zum Beispiel dass man die Fahrt zum Einkauf nicht in die Hauptverkehrszeit legt, oder Fahrten bei schlechten Sichtverhältnissen, wie bei Regen-und Schneefall, in der Dämmerung oder bei Nacht vermeidet. Bei weiten Fahrten sei möglicherweise eine entspannte Fahrt mit Reisebus oder Bahn eine echte Alternative, um sicher anzukommen. 

 

Bei körperlichen Bewegungseinschränkungen könne auch mittels der heutigen Technik das ein oder andere Handicap ausgeglichen werden, angefangen bei der Versorgung mit Hilfsmitteln wie Brille, Hörgerät oder am Fahrzeug-eine automatische Gangschaltung oder die heute üblichen Fahrassistenzsysteme, etwa Einparkhilfen oder Signalinformationen.

 

Bis zum Mittagsbüffet, das in der Familienbildungsstätte eingenommen wurde, wurden die Teilnehmer des Aktionstages mit Vorträgen wie „Mobilität ab 50“ und „Neuem aus dem Verkehrsrecht“, und „Sinnvolle Technik, Zubehör und Ausstattungsmerkmale für ein sicheres Kraftfahrzeug“ auf den neusten Stand gebracht und erhielten etliche Denkanstöße, die in den anschließenden Gesprächskreisen angeregt diskutiert und vertieft werden konnten.

 

Viel Andrang gab es an den Informationsständen im Foyer der Kreisverwaltung, wo man sich u.a. kostenlos einem Seh-, Hör-, Blutdruck- und Reaktionstest und Bremswegsimulator unterziehen konnte. Das Autohaus Thomas demonstrierte die Funktionsweise einer Einparkhilfe und ein Fahrradparcours konnte mit Elektrofahrrädern absolviert werden. „Ein rundum intensiver, aber informativer und gelungener Tag“, war das Echo der Teilnehmer und Teilnehmerinnen, der sich Manfred Brummer und Seniorenbeauftragte Andrea Oosterdyk nur noch anschließen konnten.