Gesundheitskonferenz stößt auf großes Interesse Computer-, Computerspiel- und Internetsucht standen im Mittelpunkt - Experten bieten Hilfe und Beratung an
90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten die Neuwieder Gesundheitskonferenz „Computer und Sucht“, um sich über ein neues Phänomen zu informieren: Computer-, Computerspiel- und Internetsucht. Organisiert wurde die Konferenz von der Gleichstellungsbeauftragten Doris Eyl-Müller und Psychiatriekoordinator Dr. Ulrich Kettler. In der Konferenz wurden aktuelle Forschungsergebnisse vorgestellt. Ferner präsentierten sich örtliche Dienste und Einrichtungen, die Hilfen für Betroffene, Eltern und Pädagogen anbieten: die Suchtberatungsstellen von Diakonie und Caritas, die Lebensberatungsstelle, die regionale Fachstelle Glückspielsuchtprävention und das Johanniter-Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Hauptreferentin war die Medienexpertin Bettina Sieding aus Daun, die einen Überblick über das komplexe Thema gab. Nach der sogenannten JIM-Studie aus dem Jahre 2008 gehören Internet und Handy zu den Medien, die nach dem Fernsehen am häufigsten von Jugendlichen in der Freizeit genutzt werden. Nutzungsunterschiede zeigen sich bei Jungen, die deutlich häufiger Internet und Handy nutzen. Anschließend gab Frau Sieding einen informativen Überblick über die Nutzung neuer Kommunikationsmedien wie Chat-Rooms, E-Mail, Foren, Blogs, Communities, virtuelle Welten und Computerspiele. Da es sich um ein vergleichsweise neues Phänomen handelt, können nur erste vorsichtige Aussagen zur Suchtproblematik von Internet und Computerspielen getroffen werden. Insbesondere das Internet stellt eine Problemzone dar, 3 bis 7 % der Internetnutzer werden in mehreren Studien als „Onlinesüchtig“ angesehen, ebenso viele als stark suchtgefährdet. „Onlinesüchtige“ verbringen im Extremfall 10 und mehr Stunden am Tag mit der Nutzung dieser Angebote. In Folge dessen vernachlässigen sie ihre Umwelt mehr und mehr und verlieren ihre übrigen sozialen Kontakte. Hohes Suchtpotential wird interaktiven Onlinerollenspielen und Kommunikationssystemen wie Chats und Instantmessaging zugeschrieben.
Hier sind die Eltern gefordert, die sich über neue Kommunikationsmedien informieren und mit ihren Kindern über ihre Computer- und Internetnutzung reden sollten. Auch die klare Begrenzung der Nutzungszeiten ist erforderlich. Im Rahmen der Gesundheitskonferenz wurde vom Kreisbeigeordneten Hans-Werner Neitzert ein Informationsfaltblatt zum Thema „Jugendliche und Computersucht“ vorgestellt, welches sowohl Informationen und Tipps für Betroffene als auch für Eltern und Pädagogen enthält. Enthalten sind Informationsmöglichkeiten im Internet. Schließlich eine Übersicht der Beratungs- und Hilfsangebote, die im Landkreis Neuwied vorgehalten werden. Das Informationsfaltblatt kann ab Ende Oktober über die Psychiatriekoordinationsstelle des Landkreises Neuwied kostenlos bestellt werden. Weiteren Infos, Psychiatriekoordinationsstelle, Dr. Ulrich Kettler, Tel.: 02631 / 803-732 oder -722. Internet: www.psychiatrie-neuwied.de.


