Weltweites Gefährdungspotential durch TBC darf weiterhin nicht unterschätzt werden - Tuberkulosefachleute aus Rheinland-Pfalz und Saarland tagten in Neuwied

 

Expertinnen und Experten aus dem Gebiet der Tuberkuloseforschung und – behandlung aus ganz Rheinland-Pfalz sowie dem Saarland hatten sich in Neuwied zur 10.Tuberkulose-Fachtagung eingefunden. Der Erste Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach, der die Teilnehmer begrüßte, wertete den großen Zuspruch über die vergangenen 10 Jahre als Beweis für den guten Ruf des Neuwieder Gesundheitsamtes.

(von links): Dr.med.Sabine Rüsch-Gerdes, Leiterin des Nationalen Referenzzentrums für Mykobakterien am Forschungszentrum Borstel, Dr.med.Stefanie Castell vom Deutschen Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose, Achim Hallerbach, 1. Kreisbeigeordneter, Rita Härtling, Assistentin im Gesundheitsdienst im Gesundheitsamt Neuwied. Nicht auf dem Bild: die weiteren Herr Dr. Gunter Loytved,Medizinaldirektor, Internist, Arzt für Lungen- und Bronchialheilkunde, Arzt für Öffentliches Gesundheitswesen, Allergologie, Betriebs- u. Umweltmedizin, Gesundheitsamt Würzburg, Frau Ullenboom-Niephaus, Ärztin im Gesundheitsamt Duisburg, Fachbereich Tuberkulosefürsorge, Herr Dr.med. Jörg Groth, Internist, Arzt für Lungen-und Bronchialheilkunde.

 

In jedem Jahr wählt Rita Härtling, Assistentin im Gesundheitsdienst im Gesundheitsamt Neuwied, ein Schwerpunktthema aus dem weiten Feld der TB-Forschung aus. Die diesjährige Tuberkulose-Fachtagung stand ganz im Zeichen des Interferon-Gamma-Testes. Er ist eine immunologische Testmethode zum Nachweis einer Infektion mit Mycobacterium tuberculosis.

 

Hallerbach hob hervor: „Tuberkulose steht im Ruf, eine Krankheit der Asozialen und der Dritten Welt zu sein. In Deutschland sinken die Zahlen zwar, dennoch schätzt das Robert-Koch-Institut die Krankheit als ernstzunehmendes Gesundheitsproblem ein. Vielfach denken wir bei TB an weit zurück liegende Jahrhunderte.“ Der Beigeordnete betonte weiter, dass das durch Tuberkulose ausgelöste Gefährdungspotential nach wie vor nicht unterschätzt werden dürfe: „Tuberkulose bleibt nach Einschätzung von Experten neben Malaria und Aids einer der drei großen Killer der Menschheit. Mit 9,4 Millionen Neuerkrankungen im Jahr 2008 und etwa 2 Millionen Toten pro Jahr ist die Situation weiter dramatisch, Besonders betroffen sind neben Südafrika und Asien die Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Trotz rückläufiger Zahlen in Deutschland – 4500 Fälle im Jahr 2008 – schätzt das Robert Koch-Institut Tuberkulose auch hier als ernstzunehmendes Gesundheitsproblem ein. Nach wie vor ist eine frühzeitige Diagnose das effektivste Mittel zur Verhinderung einer Übertragung.“ Noch in den 1970er Jahren gingen Forscher davon aus, dass sich die Tuberkulose weltweit besiegen lasse – mit gut wirksamen Medikamenten und Impfungen. Doch die heilbare Infektion suchte sich neue Wege. Ihre Bakterienstämme veränderten sich. Die gängigen Medikamente aus den 60er Jahren schlagen deshalb heute häufig nicht mehr an. Das macht die Behandlungen aufwendiger und teurer. Doch nicht überall auf der Welt werden Patienten auf Resistenzen getestet. Mit einem Husten können sie gesunde Menschen anstecken. Forscher gehen davon aus, dass heute weltweit jeder dritte Mensch Tuberkulose-Erreger in sich trägt.

 

Deutschland ist aber glücklicherweise noch lange kein TB-Problem-Land. Dazu zählen vor allem Staaten im südlichen Afrika, gefolgt von den Philippinen, Indonesien, Indien, der Russischen Föderation und China. Hier erkranken zwischen 100 und 900 von 100.000 Menschen an Tuberkulose, bis zu 200 sterben. Mit viel Geld wird versucht, diesen Ländern beim Aufbau moderner Diagnose- und Therapiezentren zu helfen. Doch die Hemmnisse sind groß.

 

Laborärzte in Kasachstan verdienen zum Beispiel viel zu wenig Geld, um zu bleiben. In Osteuropa wirkt noch die falsche Propaganda der Sowjetunion nach, es gäbe keine Tuberkulose im Land. Die Regierungen müssen erst mühsam zum Handeln überzeugt werden.

 

Hochkarätige Referentinnen und Referenten informierten die Teilnehmer. So z.B. Dr. Sabine Rüsch-Gerdes. Sie arbeitet seit 1977 am Forschungszentrum Borstel bei Hamburg. Unter ihrer Leitung wurde die Laborgruppe Mykobakteriologie 1990 erstmals zu Nationalen Referenzzentrum für Mykobakterien ernannt und nach erfolgreicher Begutachtung im April diesen Jahres erneut zum Referenzzentrum bestellt. Das nationale Referenzzentrum ist zudem eines der vier Europäischen Referenzzentren und Supranationales Referenzzentrum für Empfindlichkeitsprüfungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Neben ihrer Funktion als Beraterin für Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Project Hope, WHO und viele andere, hat Dr. Rüsch-Gerdes die Verantwortung für die Überwachung, Kontrolle und den Aufbau von Programmen zur Tuberkulose-Diagnostik und Überprüfung der Qualität von Resistenztestungen in den Ländern Zentral- und Westasiens sowie den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. „Bakterien kennen keine Grenzen“, warnt Dr.Sabine Rüsch-Gerdes., Sie sprach über die neuesten Erkenntnisse in der Tbc.-Diagnostik sowie über die Möglichkeiten zur Verhinderung einer neuen Tuberkulose-Seuche.