Volles Haus beim Afghanischen Kulturfest
Bis auf den letzten Platz war der Roentgensaal im Museum beim Afghanischen Kulturfest belegt. Der Afghanischer Frauenverein und die Johanna-Loewenherz-Stiftung hatten zu dem Fest aus Kultur und Information geladen, um einerseits über die aktuelle Lage in Afghanistan zu informieren und andererseits ein Bild von Afghanistan fernab von Krieg und Zerstörung zu zeichnen. Landrat Rainer Kaul betonte in seiner Begrüßung, dass der Landkreis Neuwied gleich in zweifacher Hinsicht mit dem Afghanischen Frauenverein verbunden sei, einerseits sei die Kassiererin, Rona Yussof Mansury Neuwiederin und andererseits sei sie auch Ehrenpreisträgerin der Johanna-Loewenherz-Stiftung.
Der afghanische Frauenverein unterhält Schulen und Krankenstationen in Afghanistan und in den Flüchtlingslagern Pakistans. Mit Unterstützung des Journalisten Dr. Roger Willemsen werden u.a. Brunnen gebaut, um die Menschen, fern ab der großen Städte, mit Trinkwasser zu versorgen.
„Mit dem Erlös der heutigen Veranstaltung können wir wieder weitere Projekte unterstützen“, freut sich die Rona Yussof Mansury, Vorstandsmitglied des Vereins.
Das es Zeit und vor allen Dingen auch einer differenzierte Betrachtungsweise bedarf, um sich ein Urteil über Afghanistan zu bilden war eine der Forderungen von Regina Gräfin zu Stolberg-Wernigerode, die als Leiterin des Sprachdienstes bei der Bundeswehr rund zwei Jahre in Afghanistan lebte. Weder seien die Taliban eine homogene Gruppe, noch würde ein plötzlicher Truppenabzug die Lage in Afghanistan stabilisieren können. Sie verwies darauf, dass teilweise Menschen von den Taliban zwangsrekrutiert wurden, andere, insbesondere Flüchtlinge und Waise, bei den Taliban eine neue Heimat und Familie fanden, andere Taliban seien schlicht kriminell, Mit- oder Überläufer. Die Akzeptanz in der Bevölkerung sei jedoch insgesamt sehr gering. In dem Land, in dem über Jahrzehnte Krieg herrschte seien ganze Generationen von jeder Art von Bildung ausgeschlossen und so sei auch der Anteil der Analphabeten bei der Polizei recht hoch. Ein Handicap, dass Auswirkungen auf die Dauer und Qualität der Ausbildung der Polizei habe.
Nicht weniger differenziert stellte Sozialwissenschaftlerin Homa Suma die Situation von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland dar. Selbst gebürtige Afghanin, die nach der Geburt mit ihrer Familie nach Afghanistan umsiedelte, um knapp vier Jahre später in die Bundesrepublik zurück kam, bezweifelte, dass Integration gleich zu setzten sei mit Assimilation. Ihre Familie legte viel Wert auf die Integration, als sie nach Deutschland kamen und erst als sie perfekt deutsch sprach, deutsche Freunde hatte und die deutsche Kultur kannte, wurden ihr die afghanischen Wurzeln, die Sprache und Kultur ihres Herkunftslandes vermittelt. Ein Glück, wie sie feststellen konnte, den das Nacheinander der Auseinandersetzung mit beiden Kulturen ermöglichten ihr, beide Kulturen schätzen und lieben zu lernen.
In beiden Kulturen zuhause war auch Dr. Salamat Schiftah, der als Musiker und Naturwissenschaftler sich einerseits mit der Literatur und Mystik Afghanistans auseinandersetzte und andererseits lange am Gymnasium in Altenkirchen naturwissenschaftliche Fächer unterrichtete. Er nahm die Anwesenden mit auf eine musikalische und literarische Reise in das ferne Afghanistan.
Nach dem gelungen Nachmittag war klar: Afghanistan ist mehr als Krieg und Zerstörung, es ist ein Land mit einer grandiosen Landschaft, mit einer alten Kultur und wunderbaren Menschen, die nicht nur Afghanen gefangen hält.
Informationen zum Afghanischen Frauenverein unter: www.afghanischer-frauenverein.de


