Nachlese zum Internationalen Frauentag

 

Nahezu karnevalistisch war die Stimmung bei der Jubiläumsfeier zum 100jährigen Bestehen des Internationalen Frauentages. Zur Begrüßung hatten die Gleichstellungsbeauftragten von Stadt und Landkreis Neuwied, Sandra Thannhäuser und Doris Eyl-Müller, die Geschichte des Internationalen Frauentages und die damit verbunden Forderungen zusammengetragen. Die zentrale Forderung des ersten Internationalen Frauentages am 19. März 1911 war das freie, geheime und gleiche Wahlrecht für Frauen. Dieses neue Recht nahmen die Frauen sehr ernst, 90% der Frauen beteiligten sich an der Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung. Erst nach dem ersten Weltkrieg wurde diese Forderung am 12. November 1918 auch Wirklichkeit. Nach dem zweiten Weltkrieg ging es um gleichen Lohn für gleiche Arbeit, um die Abschaffung des Gehorsamsparagraphen und um die Abschaffung des Mitbestimmungsrechtes des Mannes über das Arbeitsverhältnis seiner Frau.

Bildunterzeile: Die lästigen Frauen in Aktion

 

Dass, obwohl schon viel erreicht wurde, noch immer Handlungsbedarf besteht, machten die Gleichstellungsbeauftragten auch deutlich: Am 16. Juni 2010 war unter den 185 Vorstandsmitgliedern der DAX30Unternehmen nur eine Frau. Eine beschämende Quote, angesichts hervorragender Schul- und Hochschulabschlüsse von Frauen und ein Beleg dafür, dass wohl noch in 100 Jahren Frauen einen Internationalen Frauentag begehen müssen, um der formalen Gleichstellung auch die tatsächliche Folgen zu lassen. Zum Schluss bewerteten die Rednerinnen die Zusammenarbeit der Frauen in Neuwied als vorbildlich und belegten dies mit Beispielen, wie z.B. der Einrichtung der Interventionsstelle gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen, die zustande kam, weil die Frauen der Beratungsstellen Caritas, Diakonie und Lebensberatung aktiv wurden und Fakten schufen, die nachher vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen aufgegriffen wurde.

 

Rund 210 Frauen genossen die „Lieder von gestern von Frauen die lästern“ im Amalie-Raiffeisen Saal der Volkshochschule Neuwied. Das Vorbereitungsbündnis aus Beratungsstellen, Gewerkschaften, Gleichstellungsstellen, kirchlichen, politischen und autonomen Frauenverbänden hatten „die lästigen Frauen“ aus der Pfalz engagiert, die mit bekannten Melodien sowohl den Einkaufsrausch von Frauen, wie die männliche Unkenntnis von elementaren Regeln zur Bewältigung des heimischen Haushaltes.