Streuobstvermarktung im Landkreis - Neuwied – wie kann das gelingen? - Hallerbach: nur gemeinsame Aktivitäten sind zielführend
Der Weg zu einer einheitlichen Vermarktungsstruktur für heimisches Streuobst führt nur über eine hauptamtliche Kraft, diese Forderung war eines der Ergebnisse eines Workshops in der Kreisverwaltung Neuwied, zu dem der Erste Kreisbeigeordneter Achim Hallerbach gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) eingeladen hatte.
Die Kreisverwaltung hat als untere Naturschutzbehörde die Erhaltung und Pflege der Streuobstwiesen zu einem Handlungsschwerpunkt gemacht. Erster Kreisbeigeordneter und Umweltdezernent Hallerbach konnte von positiven Beispielen und Ergebnissen der bisherigen Runden Tische zu diesem Thema berichten. Die Naturschutzbehörde koordinierte im letzten Jahr die Sanierung von mehr als 300 alten Obstbäumen durch fachgerechte Schnittmaßnahmen. Hierzu hatte der Naturpark Rhein-Westerwald 25.000 Euro bereitgestellt. „Wir wollen diese Bemühungen in den nächsten Jahren fortführen“, betonte der Umweltdezernent und erntete von den anwesenden Naturschutzverbänden aus dem Kreisgebiet Beifall. Das angestrebte Ziel, so Hallerbach, sei eine gemeinsame Vermarktung von Streuobstprodukten im gesamten Landkreis, was angesichts von inzwischen nur noch drei Mostbetrieben im Landkreis für viele Obstbauern nicht leicht sei: „Der Anbau von Streuobst hat in unserer Heimat eine landschaftsprägende, und damit auch ökologische wie ökonomische, Funktionen. Diese – wie auch die Vermarktung von Streuobst – müssen erhalten bleiben. Deshalb sollten alle Beteiligten an einem Strang ziehen, um hier zu Lösungen zu kommen.“
Dr. Karin Kübler konnte von der Streuobstinitiative aus der Verbandsgemeinde Rengsdorf anschaulich berichten, welche Aktivitäten in den letzten Jahren zum Schutz dieser Kulturbiotope durchgeführt wurden und wie man durch gesellschaftliche Aktivitäten rund um den Apfel Bewusstsein in der Bevölkerung für das einzigartige Bioprodukt schaffen kann. Dabei lobte sie die Zusammenarbeit mit der Bonefelder Mosterei Krämer.
Aus dem Asbacher Land berichtete Dr. Paul Bergweiler wie dort mit diesem wichtigen Thema umgegangen wird. Der Arbeitskreis Naturschutz und Umwelt Asbacher Land (ANUAL) ist seit Jahren aktiv. Durch Flächenankauf, Neupflanzungen und Schnittmaßnahmen hat man hier bereits wichtige Akzente gesetzt. Er begrüßte ausdrücklich die Initiative des Landkreises und bedankte sich auch für die bisherige Unterstützung seiner Organisation.
Hans-Peter Job und Salvatore Giardina von der Kreisverwaltung konnten einen Überblick über die Streuobstbestände im Landkreis geben. Mehr als 1.700 Obstwiesen sollen nach dem Liegenschaftskataster im Kreisgebiet vorhanden sein. „Das muss aber noch verifiziert werden, so Job. Durch die Biotopkartierung gibt es detaillierte Angaben allerdings nur über ca. 150 Flächen.
Wie man regionale Produkte vermarkten kann, stellte Thorsten Roos aus Schleswig-Holstein vor. Anhand seiner Erfahrung in der Region „Eider-Treene-Sorge“ machte er den Verbandsgemeinden, Naturschutzverbänden und Vertretern der heimischen Mostbetriebe Mut, die Sache anzugehen. „Suchen Sie nicht nach Hindernissen, sondern packen Sie es an. Sie werden sehen, dass es funktioniert und das es sich lohnt“. Auch Lieselotte Unseld vom Deutschen Verband für Landschaftspflege in Ansbach (Mittelfranken) konnte aus ihren reichhaltigen Erfahrungen um die Obstinitiative am Hesselberg berichten. Hier wurde aus einer Initiative eine erfolgreiche Firma, die nicht nur Saft herstellt, sondern eine breite Produktpalette aus dem Obst der mittelfränkischen Region vertreibt.
Ausführlich diskutierten unter der Moderation von Frau Unseld die Vertreter der Naturschutzverbände, der Mostbetriebe und der Verbandsgemeinden über den richtigen Weg. Wie kann eine Vermarktung im gesamten Landkreis Neuwied gelingen. Es bestand Einigkeit darüber, dass Insellösungen nicht zielführend sind. „Es kann nur gemeinsam gehen. Dazu ist nicht nur ein regelmäßiger Dialog aller beteiligten Akteuren erforderlich, sondern auch eine hauptamtlich professionell geführte Organisation.“
Die Kreisverwaltung wurde gebeten, diese Möglichkeit zu prüfen. Im Mai wollen sich die Akteure erneut treffen, um weitere konkrete Maßnahmen auf den Weg zu bringen. So konnten sich die Anwesenden durchaus vorstellen, dass auf Landkreisebene ein Landschaftspflegeverband zu gründen sei.


