Familienzentrum in Kitas wird ein Modul im „Neuwieder Modell“ – Hallerbach empfiehlt Zusammenarbeit mit dem Dachkonzept „Haus für Familien“ in der VG Asbach – Kreisjugendamt liegt kein Konzept vor

 

Das Einrichten eines katholischen Familienzentrums für Kindertagesstätten im Seelsorgebereich Rheinischer Westerwald wird im Kreisjugendamt grundsätzlich begrüßt. „Nicht alle Herausforderungen der Gesellschaft können zu einer Pflichtaufgabe des Staates werden. Deshalb sind wir froh, wenn kirchliche und freie Träger zusätzliche familienunterstützende Maß-nahmen entwickeln und anbieten. Sofern es in unserem Ermessen liegt, werden wir die Ideen und Projekte inhaltlich begleiten und mit den bestehenden Hilfsangeboten vernetzen“, erklärt der 1.Kreisbeigeordnete und zuständige Dezernent für Jugend und Familie, Achim Hallerbach.

 

In der „Tonlage vergriffen“: Sehr verwundert ist Hallerbach über die Äußerungen von Diakon Stephan Schwarz. „Wir haben vor über einem Jahr auf meine persönliche Bitte hin ein Gespräch mit Herrn Schwarz geführt. Leider mussten wir erkennen, dass das Projekt „Familienzentrum“ nur in katholischen Einrichtungen in einem Teil der Verbandsgemeinde Asbach, sprich  im Bereich des Erzbistums Köln, und damit ohne Neustadt, erfolgen sollte. Unsere staatliche Verpflichtung ist es, für alle Kinder, Jugendliche und Familien entsprechende offene Angebotsstrukturen zu schaffen“, unterstreicht der 1.Kreisbeigeordnete. Die Bitte des Kreisjugendamtes an den Vertreter des Seelsorgebereiches war, Kinder-, Jugend- und Familienangebote nicht nur in den katholischen Einrichtungen anzubieten. Ebenfalls fehlt es „bis zum heutigen Tage“ an einem ausgearbeiteten inhaltlichen Konzept. „Kürzlich geführte Gespräche mit Kitaleitungen haben bestätigt, dass es noch keinerlei inhaltliche und konzeptionelle Papiere gebe. Man beginne erst jetzt damit“, so Hallerbach weiter.

 

Uwe Kukla, stellvertretender Leiter des Kreisjugendamtes bestätigt, dass kein aus-gearbeitetes Konzept in Neuwied vorliege. „Es bedarf zur Errichtung eines Familienzentrums weder eines Antrages, noch der Zustimmung des Kreisjugendamtes. Ein durch spezifische Landesmittel gefördertes Konzept für Familienzentren nach nordrhein-westfälischem Vorbild existiert leider in Rheinland-Pfalz nicht. Die von Diakon Schwarz dargestellten Bemühungen liegen alleine in der Selbstverwaltung der Kirchengemeinde bzw. des Seelsorgebereiches“.

 

Zwischenzeitlich wendeten sich verunsicherte Familien aus der Verbandsgemeinde Asbach an den Kreis, ob künftig Familienhilfemaßnahmen nur noch über die katholische Kirche des Seelsorgebereichs Rheinischer Westerwald in Anspruch genommen werden können. Hier beruhigt das Kreisjugendamt: „Auch künftig werden alle in der Jugendhilfe angebotenen Maßnahmen der Erziehungs- und Eingliederungshilfen direkt über uns festgelegt und abgewickelt. Sofern Maßnahmen über freie Träger durchgeführt werden, erfolgen auch diese nur nach vorheriger Prüfung und Entscheidung über das Kreisjugendamt“, betont der 1.Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach.

 

Das, was in Familienzentren in NRW bereits praktiziert werde, bilde eine sinnvolle Ergänzung zu den bisherigen Angeboten. Derzeit gebe es Bestrebungen der Verbandsgemeinde Asbach für die gesamte Verbandsgemeinde ein umfassenderes Angebot zu schaffen. „Wir diskutieren aktuell mit den Gremien des Verbandsgemeinderates Asbach, eine breit aufgestellte und weit gespannte Angebotsstruktur für Kinder, Jugendliche und Familien zu schaffen. Grundvoraussetzungen sind, die Offenheit für alle Konfessionen, dezentrale Angebotsstrukturen in den Gemeinden der gesamten Verbandsgemeinde sowie die Einbindung von Kirchen, freien Trägern und Verbänden/Vereinen aus dem Bereich der Jugend- und Familienarbeit“, beschreibt Achim Hallerbach die Bemühungen.

 

Unter dem Arbeitsbegriff „Haus für Familien“ könnten künftig verschiedene Angebote aus den Bereichen Bildung, Beratung, Gesundheit, Freizeit, vor allem Angebote der Familienbildung, der Begegnung von Jung und Alt und soziale Beratungspakete in Anspruch genommen werden. „Mit dem „Haus für Familien“ werden Zugänge zu Familien und Menschen in der Gemeinde ermöglicht, die von Angeboten und Diensten bisher gar nicht, oder nur schwer erreicht werden konnten“, ist sich der 1.Kreisbeigeordnete sicher.

 

„Die Zugangswege zu den Angeboten, Diensten und Hilfen müssen einfach und transparent sein“, ergänzt Uwe Kukla, deshalb begrüßt auch er die Angebotsentwicklung nach dem regionalen Bedarf und den regionalen Gegebenheiten auszurichten und somit über dezentrale Strukturen zu konzipieren. „Ein erstes vorliegendes Konzept von einer kreisweit tätigen und anerkannten Familienbildungsstätte macht gute Hoffnung auf baldige und kompetente Umsetzung. Wir sehen die Aufgabe des Kreisjugendamtes in der fachlichen Begleitung und Vernetzung mit den bereits bestehenden Hilfsangeboten“, konstatiert Kukla.

 

„Wenn Herr Schwarz ein Konzept vorlegen sollte, dürfte das Einbinden des Projektes in das Dachkonzept „Haus für Familien“ bzw. „Frühe Hilfen“ gar kein Problem darstellen“, ist sich der 1.Kreisbeigeordnete sicher. Schließlich handelt es sich hier um ein gutes und sinnvolles Ergänzungsmodul. Zunächst müssten jedoch die Inhalte und Strukturen bekannt werden.

 

Die finanzielle Verantwortung dieser „niedrigschwelligen Angebote und Dienste“ trage der Anbieter oder die Kommune als freiwillige Aufgabe. „Der Kreis kann diese regionalisierten Konzepte nicht finanziell tragen, wir können fachlich, inhaltlich begleiten. Unsere Angebote erstrecken sich immer auf den gesamten Landkreis Neuwied“, unterstreicht Hallerbach. Familienzentrale Angebote und Dienstleistungen werden deshalb derzeit als Module im sog. kreisweiten „Neuwieder Modell“ ein- und ausgebaut. Prävention, Intervention und Kommunikation stehen im Mittelpunkt eines künftigen landkreisweiten Konzeptes mit Unterstützung verschiedenster Fachstellen und Träger von Jugend- und Familienhilfemaßnahmen. „Wir sind auf einem sehr guten Weg und laden deswegen alle Akteure in diesen Fachbereichen zur Zusammenarbeit ein. Wir wollen unsere Strukturen von unten nach oben entwickeln und nicht von oben vorgeben. Nur gemeinsam können wir die Herausforderungen der Gesellschaft  und die veränderten Familienstrukturen im Sinne der betroffenen Kinder meistern“, so abschließend der 1.Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach.