Rheintal vom Rheingau bis Siebengebirge spricht mit einer Stimme gegen Bahnlärm - Landkreise, Bürgerinitiativen und Kommunen organisieren Bürgertreffen am 7. Mai

 

Mit Vertröstungen soll endlich Schluss sein. Wort- und klaglos wollen die Menschen im Mittelrheintal nicht mehr den durch teilweise uralte Güterzüge direkt vor ihrer Haustür erzeugten ohrenbetäubenden Lärmpegel hinnehmen. Bis zu 105 Dezibel werden am Tag und auch in der Nacht gemessen, wenn ein solcher Güterzug mitten durch die Orte fährt und dann auch noch oft mit quietschenden Lauten anhalten, „die einem durch Mark und Bein gehen“, wie eine Anwohnerin der Bahnstrecke erzählt. Derzeit liegen zwischen zwei passierenden Güterzügen noch durchschnittlich vier bis fünf Minuten. Doch wenn die Deutsche Bahn AG „ihre Ertüchtigung und Modernisierung der Strecke abgeschlossen hat“, wie es im nüchternen Ton der Bahn AG heißt, dann fahren alle zwei bis drei Minuten Güterzüge durch das Rheintal: also weitaus mehr und immer längere Züge.

 

Ein Szenario, das bereits in wenigen Jahren zur Realität werden kann. Um dies zu verhindern, gibt es nun einen sichtbaren Schulterschluss der sechs Landkreise und den Kommunen entlang der Bahnstrecke rechts- und linksrheinisch. Für Samstag, 7. Mai 2011, ab 12.00 Uhr, rufen die Landkreise, Städte und Gemeinden und die beiden Bürgerinitiativen „Pro Rheintal“ sowie die „Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn“ zu einem Bürgertreffen in Rüdesheim am Rhein an der Brömserburg auf. Damit wollen die Initiatoren ein deutliches, auch in Berlin nicht zu überhörendes Signal setzen.

 

„Die Zeit der Vertröstungen, der Hinhaltetaktik ist endgültig vorbei. Bahn und Bundesregierungen der unterschiedlichsten Couleur haben in den vergangenen Jahren viel versprochen. Gehalten wurde wenig“, so der 1. Kreisbeigeordnete des Landkreises Neuwied, Achim Hallerbach. Konkret fordert er, dass endlich mit der Planung einer Alternativstrecke für Güterzüge begonnen wird: „Wenn die Haupttrasse für den Güterverkehr von Genua nach Rotterdam ab 2017 durchgängig in Betrieb ist, dann wird dies noch weit größere Belastungen für die schon jetzt lärmgeplagten Menschen im Rheintal mit sich bringen Alleine wegen der Planungsdauer für ein solches Projekt darf keine Zeit mehr verschwendet werden“.

 

Man habe es geschafft, eine Initiative über alle Grenzen hinweg zu etablieren, die mit einer Stimme spreche, stellten die Vertreter der Landkreise, Bürgerinitiativen und Kommunen im Rahmen einer Pressekonferenz in Rüdesheim zufrieden fest. Die Region zählt zu den lautesten Orten in Deutschland, so das Ergebnis einer neuen Studie. Und die Organisatoren des Bürgertreffens wollen sich nicht mehr länger „mit standardisierten Antwortbriefen aus Berlin“, vom Bundesverkehrsministerium und der Bahn AG abfertigen lassen. Dies führe zu einer Verdrossenheit, auch gegen die Politik. Deshalb, so der Bingener Bürgermeister Thomas Faeser, gilt es durch die Anti-Bahnlärm-Demonstration Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Die Bürger müssten beteiligt werden und ein Zeichen setzen können. Am 7. Mai hätten nun alle Bahnlärm-Geschädigten im Rheintal die Chance, ihren Unmut während des Bürgertreffens kund zu tun.

 

Laut Achim Hallerbach wird sich die Initiative auch über die Bundesländer Hessen und Rheinland-Pfalz nach Nordrhein-Westfalen ausdehnen. Die Initiative sollte aber auch den Fluglärm aufgreifen. Denn Lärm und besonders in dieser Intensität macht krank und droht den Tourismus in der Region zu zerstören: „Wer will schon in das Mittelrheintal kommen, wenn „er wegen des extremen Bahnlärms nachts kein Auge zumachen kann.“ Am 7. Mai soll in Rüdesheim am Rhein um 13.00 Uhr zunächst an der Brömserburg eine Begrüßung der Teilnehmer der Demo erfolgen. Danach soll sich der Demonstrationszug über die Oberstraße zum Bahnübergang am Rüdesheimer Bahnhof bewegen. Dann geht es weiter bis auf B42 bis zum Abzweigung zur Fähre. Danach geht es zurück zur Brömserburg, wo eine Kundgebung stattfindet.

 

Die Bingen-Rüdesheimer Schifffahrtsgesellschaft hat zugesagt, die Demonstrationsteilnehmer, die zu Fuß sind, mit der Autofähre kostenlos von Bingen nach Rüdesheim und wieder zurück zu transportieren. Von den Organisatoren wird zudem darum gebeten, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, um zur Brömserburg in Rüdesheim zu kommen. Vor Ort sind nur wenige Parkplätze vorhanden.