Portrait einer außergewöhnlichen Frau

 

Sie war Schriftstellerin, Politikerin, Frauenrechtlerin und das zu einer Zeit, als Frauen kaum Rechte hatten und um jedes kleines Stück Freiheit kämpfen mussten: die Rheinbrohlerin Johanna Loewenherz. „In akribischer Kleinarbeit hatte bereits Dr. Wolfgang Dietz in den 1980igern erste Fakten zusammengetragen. Wir fanden unter anderem ein Libretto für eine Oper, ein programmatisches Werk zur Frauenfrage oder auch ein frauenpolitisches Drama. Mit der Ehrenpreisträgerin 2003 Prof. Dr. Annette Kuhn wurden weitere Aspekte ihres Lebens deutlich, so lebte sie in Berlin und München und wir fanden endlich eine Fotografie. Dr. Hildegard Brog, die die Broschüre für den Landkreis geschrieben hat, hat sich intensiver mit ihrer Rolle in der Neuwieder SPD auseinandergesetzt“, erklärt Doris Eyl-Müller, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Neuwied. Für die Historikerin Brog bleiben dennoch viele Fragen offen: „Noch immer ist uns über ihre Ausbildung wenig bekannt. Wir wissen zwar, dass sie aus gut bürgerlichem Elternhaus stammt und in Berlin und München gelebt hat, aber zu wem sie dort Kontakt und Austausch pflegte, wissen wir wiederum nicht.“

Das Foto zeigt (v.r.n.l.): Die Autorin Dr. Hildegard Brog, Landrat Rainer Kaul, Gleichstellungsbeauftrage Doris Eyl-Müller und den Geschäftsführer der Johanna-Loewenherz-Stiftung, Manfred Thran.

 

Ihr Vermögen vermachte sie im Mai 1937 dem Landkreis Neuwied, der in das Erbe nicht antreten durfte, weil Johanna Loewenherz Jüdin war. „Wir haben erst 1984 das Testament dieser mutigen Streiterin für die Frauenrechte gefunden“, erklärt Landrat Rainer Kaul bei der Präsentation der kleinen Broschüre, die einen Überblick über das Leben und Wirken der Sozialdemokratin gibt.

 

„Heute verdankt der Landkreis Neuwied Johanna Loewenherz die einzige kommunale Frauenstiftung in Rheinland-Pfalz. Darauf sind wir sehr stolz und es war eine weise Entscheidung der Kreisgremien in den 1980iger Jahren das Erbe anzunehmen und den letzten Willen der Johanna Loewenherz in Form einer gemeinnützigen Frauenstiftung umzusetzen“, erläutert Rainer Kaul. Die Stiftung vergibt in jedem Jahr mit ungerader Jahreszahl einen Ehrenpreis an eine oder mehrere im Sinne des Stiftungszwecks herausragende Persönlichkeiten. In den Jahren mit gerader Jahreszahl ein oder mehrere Stipendien. Der Stiftungszweck wurde dem Testament entnommen: “Stiftungszweck ist die Förderung von Frauen, die sich irgendwie und auch irgendwo um die Sache der Frauen besonders verdient gemacht haben. Ohne Ansehen religiöser und politischer Anschauung soll die Förderung durch Vergabe von Geldpreisen an Frauen erfolgen, die besondere wissenschaftliche, künstlerische oder literarische Leistungen vollbracht haben oder sich in sonstiger Weise um die Stellung der Frau in Staat und Gesellschaft besonders verdient gemacht haben.“

 

Die Broschüre ist bei den Gleichstellungsbeauftragten in Stadt und Landkreis Neuwied oder im Bürgerbüro der Kreisverwaltung erhältlich.