Heimat-Jahrbuch 2012 bereits erschienen - Präsentation im Rathaus Linz am Rhein
Das Heimat-Jahrbuch 2012 des Landkreises Neuwied ist soeben erschienen. Landrat Rainer Kaul stellte es gemeinsam mit Autoren, Redaktionsteam sowie Mitgliedern des Kulturausschusses im großen Ratssaal des Linzer Rathauses vor.
Markt- und Kirchplätze waren und sind heute noch oft die alten Herzen unserer Städte und Dörfer. Hier kam und kommt man sonntags nach dem Kirchgang zusammen, geht über den Wochenmarkt, trifft Jung und Alt auf der Kirmes und an bestimmten Markttagen, wie z.B. denen auf dem bekannten „Joarsfeller“ und „Steimeler Maat“. Besonders belebt ist der Linzer Marktplatz, wo man vom Frühling bis in den Herbst sitzen, trinken und essen, auf Märkten und Festen feiern kann. Das alte Rathaus aus dem frühen 16. Jahrhundert bildet hierbei den Blickfang und das Zentrum bürgerschaftlichen Lebens. Es ist das älteste im Landkreis, wurde in den vergangenen beiden Jahren von herausragenden Fachfirmen vorbildlich restauriert.
Wir entschieden uns dafür, diesen markanten Bau und den davor liegenden Marktplatz auf unserem neuen Jahrbuch abzubilden, andere wichtige Plätze aus dem Kreis und der Stadt Neuwied im Kalendarium vorzustellen.
Nach den Herbstferien, also ab Mitte Oktober werden die Schulkinder in ihren Heimatgemeinden die neuen Jahrbücher verkaufen. Mit einer Auflagenhöhe von 6.250 Exemplaren zählen sie in Rheinland-Pfalz zur bemerkenswertesten Lektüre ihrer Art. Als reiches Kompendium heimatkundlicher, aktueller wie historischer Beiträge geben sie in altbewährter Form Einblick in die Kreis- und Stadtgeschichte.
Wie in den Vorjahren erscheinen die etwa 410 Seiten fassenden Jahrbücher wieder ganz in Farbe und erfreuen sich in ihrem ansprechenden Layout zum günstigen Preis von nur 5,50 € großer Beliebtheit.
Zu erhalten sind sie ab 1. Oktober im Buchhandel, in der Kreisverwaltung und im Roentgen-Museum Neuwied.
Inhaltliches:
Es ist immer wieder spannend, sich das vergangene Jahr im Jahresrückblick erneut zu vergegenwärtigen. Kaum zu glauben, welche Fülle an Ereignissen es mit sich brachte, viele, die in der Hektik des Alltags schnell wieder in Vergessenheit geraten.
Ein besonderes Anliegen ist es auch, die im vergangenen Jahr für ihr ehrenamtliches Engagement geehrten Mitbürgerinnen und Mitbürger Ihnen vorzustellen, denn aus deren Einsatz und Wirken bekommt unser Miteinander die ganz besondere Note.
Den vielen Autoren – sei es Wissenschaftlern oder „Heimatforschern“ – gilt wieder mein besonderer Dank für die zahlreichen Beiträge:
Einsetzend mit einem Aufsatz über die territoriale Aufteilung unseres Landkreises vor 500 Jahren, das Wirken der Schoenebecks im ehemaligen Amt Altenwied bis hin zu einem Exkurs in das Untertanenverhältnis der Hümmericher während des späten 18. Jahrhunderts wird Geschichte im Kartenbild und ganz konkret lebendig.
Wie direkt und offen, jedoch auch verletzend, unsere Vorfahren im sozialen Umfeld Missstände anprangerten, lernen uns Unkeler Gerichtsprotokolle, worin das sog. „Thierjagen“ geahndet wurde.
Die „Schlacht bei Neuwied“ am 18. April 1797 ist den Franzosen eher präsent also uns Deutschen. Hier standen 40.000 über den Rhein kommende Franzosen 8.000 in Schanzen das Neuwieder Becken verteidigenden Österreichern gegenüber. Die Überzahl entschied die Begegnung, Heddesdorf brannte, im Gladbacher und Heimbacher Feld lagen mehrere tausend Gefallene, über deren würdige Beisetzung sich die hiesigen Bauern sorgten. Zeitgleich trieben diverse Räuberbanden in der Gegend ihr Unwesen, eine der berüchtigtsten war die Neuwieder Bande. Über die Befreiung eines ihrer Mitglieder aus dem Engerser „Dugges“ sowie die Verbindung zu einem Neuwieder Wirt finden wir Interessantes in zwei eigenen Aufsätzen.
Immer wieder aufschlussreich sind der Werdegang und die Besitzgeschichte ehemals klösterlicher Höfe im Kreis, so des „abteilich Marienstätter“ Hofes in Rheinbrohl, des wüst gefallenen Hofes Grasberg oberhalb von Isenburg bzw. des zur Wüstung zu werden drohenden aber noch existierenden Meinhofs oberhalb von Altwied. Ebenso spannend ist die Geschichte von Mühlen, der St. Kathariner Abteimühle in Kasbach bzw. der Wallbachsmühle im gleichnamigen Tal bei Bremscheid sowie jener der früher in Oberbieber situierten.
Karten und deren wechselndes Erscheinungsbild geben Kunde vom Wachsen unserer Orte, v.a. auch über die zunehmende Messgenauigkeit. V.a. die Franzosen während der linksrheinischen Besatzung ab 1795 und die Preußen ab 1815 haben unsere Heimat erstmals topographisch korrekt und konsequent „eingemessen“.
Auch die Logistik beschäftigt uns: So der Brückenbau zwischen Neuwied und Weißenthurm, die vor 100 Jahren freigegebene Westerwaldbahn Linz - Altenkirchen oder ganz aktuell, die Sanierung der B 42 in Linz.
Einzelne Gebäude, Spolien derselben und wüst gefallene Ortschaften werden fokussiert, das Backhaus in Niederbieber z.B., das der neuen Herberge des Landesmusikhofs aufgesetzte Glockentürmchen mit einem für viele Engerser bedeutenden Glöckchen oder das Schicksal des kleinen Weilers Rockenfeld.
Über die Walcker-Orgel für Prinzessin Elisabeth zu Wied sowie die bekannte Wurzelkrippe von Rheinbrohl wird der Bogen gespannt bis hin zum Briefwechsel eines als Freiwilliger im Boxeraufstand kämpfenden Buchholzers 1900/01 zu seinem Heimatort oder dem Verlauf einer General-Lehrer-Konferenz dieser Zeit.
Dass der Schweizer National-Zirkus Knie und der einzige deutsche Großzirkus Charles Knie Neuwieder Ursprungs sind, erläutert uns ein unterhaltsamer Beitrag.
Bleistiftzeichnungen des bekannten Linzer Künstlers und Kupferstechers Joseph von Keller leiten über in die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts, wo auch Bruder Jakobus Wirth, Gründer der Hausener Franziskaner, in Niederbreitbach das Licht der Welt erblickte. Zwei Generationen später wirkte dann Pater Johannes Maria Haw in Leutesdorf. Deren Vitae sind zwei eindrucksvolle Beiträge gewidmet.
Es geht weiter mit einem Exkurs über die amerikanische Besatzung des Kreises nach dem I. Weltkrieg, einen lange Jahre ungeklärten Doppelmord dieser Zeit, einen in den 20er Jahren verfassten fiktiven Brief über das Erscheinungsbild der Stadt Neuwied 1945 sowie die Anfänge der Sozialdemokratie im Amt Rengsdorf.
Das leidvolle Schicksal der Puderbacher Juden in den frühen 40er Jahren und die Schikanen, denen katholische Priester in dieser Zeit ausgesetzt waren, schildern weitere Beiträge.
Die Kurzbiografie des zuletzt in Rheinbreitbach wohnenden „Polka-Königs“ Will Glahè sowie persönliche Erlebnisse der Nachkriegszeit, ein neu aufgelegtes Mundartgedicht der 50er Jahre, schließlich die bauliche Beschreibung des damals gebauten Neuwieder Rathauses lassen Heimatgeschichte anschaulich werden.
Spannende Episoden und Geschichte(n), die Vergangenes lebendig halten und Gegenwärtiges archivieren.
Rückfragen bitte an Roentgen-Museum Neuwied,
Raiffeisenplatz 1a, Tel.: 02631/803-379


