Die Johanna-Loewenherz-Stiftung


 


Die Johanna-Loewenherz-Stiftung ist die einzige kommunale Frauenstiftung in Rheinland-Pfalz und wurde 1986 als gemeinnützige, nicht rechtsfähige kommunale Stiftung vom Landkreis Neuwied gegründet.

 

Sie beruht auf dem Vermächtnis der Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin Johanna Loewenherz, die am 12. April 1857 in Rheinbrohl geboren wurde und am 17. Mai 1937 in ihrem Geburtsort Rheinbrohl verstarb.

 

Die engagierte Schriftstellerin war Jüdin und ihr einziger unehelicher Sohn Karl-Fritz verstarb 1933 vermutlich an einer Blutvergiftung. Ihren damals nicht unerheblichen Besitz vermachte sie dem Landkreis Neuwied, mit dem Ziel eine wohltätige Stiftung zum Besten von Frauen, die sich irgendwie und auch irgendwo um die Frauensache verdient gemacht haben zu gründen.

 

Dabei sollte keinerlei religiöser oder politischer Unterschied gemacht werden. Nach ihrem Testament sollte aus ihrem Haus ein Erholungsheim für Frauen mit besonderen wissenschaftlichen, künstlerischen, literarischen Leistungen oder für Frauen, die sich mutvoll gegen das Unrecht gegenüber Frauen einset­zen, gemacht werden.

 

Der Landkreis konnte das Erbe nicht antreten, da es grundsätzlich untersagt war, Zuwendungen von jüdischer Seite anzunehmen. In den Kriegswirren und auch später geriet das Erbe in Vergessenheit und erst 1984 wurde das Verfahren wieder aufgenommen. Der Kreis konnte dem Wunsch nach einem Erholungsheim nicht mehr gerecht werden und gründete die Johanna-Loewenherz-Stiftung. Seit 1987 werden Ehrenpreise, in Jahren mit ungeraden Jahreszahlen und Stipendien in Jahren mit geraden Jahreszahlen vergeben. Die erste Ehrenpreisträgerin war die damalige Präsidentin des Europaparlamentes Simone Veil, später folgten Antje Dertinger, Dr. Elisabeth Moltmann-Wendel, Schwester Dr. Lea Ackermann, Brunhilde Dietrich, Dr. Monika Hauser, Gisela Wirtgen und Prof. Dr. Annette Kuhn. Über 20 Frauen erhielten seit 1988 Stipendien.

 

Viele Informationen über Johanna Loewenherz gibt es nicht. Verbrannten doch die Nationalsozialisten ihren gesamten Nachlass. So ist nur wenig über das Leben und Wirken der ungewöhnlichen Frau bekannt. Noch heute werden einzelne Puzzleteile über Johanna Loewenherz von engagierten Männern und Frauen, zusammengetragen.

 

Schon früh fand man politische Schriften mit dem für damals zweifelsfrei provozierenden Titel „Prostitution oder Produktion - Eigentum oder Ehe?" (1895) Als Sozialdemokratin durchaus den eigenen Genossen kritisch gegenüber betitelt sie einen Aufsatz mit der Frage „Wird die Sozialdemokratie den Frauen Wort halten?" (1895) Erst 1998 fand man Anzeigen der SPD aus dem Jahre 1919, die die „Rednerin Genossin Johanna Loewenherz" zum Thema „Die Frauen und die Wahl zur Nationalversammlung" ankündigten.

 

Auch geht aus jenen alten Parteiunterlagen hervor, dass Johanna an Parteitagen teilnahm und als Rednerin auf Parteiveranstaltungen auftrat.

 

Aber nicht nur theoretische Schriften wurden von der Schriftstellerin Johanna Loewenherz verfasst. Schon früh war das Epos „Der Drachenfels" (1890) bekannt. Aber erst 2001 fand man ihr Libretto einer Oper: „Das Mädchen vom See", vertont von dem Komponisten Otto Klauwell, Lehrer am Kölner Konservatorium. 20.10.1889 in Köln uraufgeführt.

 

Auch ein Drama mit dem Titel „Gertrud" (1892) wurde entdeckt. Das Johanna Loewenherz auch Pseudonyme benutzte, macht es den Forscher und Forscherinnen nicht leichter.

 

Auch wenn die Stiftungsgründung rund 20 Jahre zurückliegt, die Erforschung des Lebens und Wirkens der Stiftungsgeberin wird sicherlich noch viele Jahre dauern und spannend bleiben. Immer wieder tauchen Dokumente auf, die etwas mehr Licht in das Leben der Rheinbrohlerin bringen.