Die Stiftungsgeberin

 

 


Johanna Loewenherz wurde am 12.03.1857 oder 12.04. 1857 in Rheinbrohl geboren.

 

(Quellen: Die Sterbeurkunde führt das Datum 12.03.1857 auf. Der Historiker Bers legt das Geburtsdatum in seinen Darstellungen der rheinischen Provinzparteitagen der SPD aus den Jahren 1897 bis 1918 aufgrund der Protokolle auf den 12.04.1857 fest. Auch im „Lexikon deutscher Frauen der Feder“ von Sophie Pataky“, einer Publikation aus dem Jahr 1898 wird das Geburtsdatum für den 12.04. festgelegt, Gleiches gilt für den Kürschners Literaturkalender u.a. in der Ausgabe von 1894 und die Polizeiakte aus dem Jahr 1933, anlässlich der Verhaftung von Johanna Loewenherz).

 

Am 16. oder 17. Mai 1937 verstirbt Johanna Loewenherz in Rheinbrohl. 

 

Zur Familie:
Johanna Loewenherz entstammt einer jüdischen Familie. Ihr Vater, Heimann Loewenherz ist Kaufmann und Steinbruchbesitzer, ihre Mutter heißt Fanni Loewenherz und ist Hausfrau. Johanna Loewenherz hat zwei ältere Geschwister, die ältere Schwester verstirbt 1905, ihr älter Bruder 1880. Am 24.08.1900 wir ihr unehelicher Sohn Karl Fritz in Köln geboren. Im Mai 1933 gilt der Sohn Karl Fritz als flüchtig und verstirbt nur wenige Monate später am 4.12.1933 an einer Blutvergiftung. Die Beerdigung am 7.12.1933 wird polizeilich überwacht, protokolliert und als politisch unbedenklich eingestuft. Über die Ausbildung der Johanna Loewenherz ist z. Z. noch immer nichts bekannt. Johanna Loewenherz arbeitet als Schriftstellerin und veröffentlicht sowohl literarische als auch politische Schriften.

 

 

Zu den Politischen Veröffentlichungen zählen:

 

* Prostitution oder Produktion, Eigentum oder Ehe?
Studien zur Frauenbewegung

NR, München, 1895

 

* Wird die Sozialdemokratie den Frauen Wort halten?
Neuwied, 1895 (Teilabdruck ihres politisch-programmatischen Hauptwerkes „Prostitution oder Produktion“)

 

Zu den literarischen Veröffentlichungen zählen:

 

* „Der Drachenfels"
anonym veröffentlicht als Rheinländer, Neuwied, Berlin 1890

 

* Das Libretto der Oper „Das Mädchen vom See
vertont vom Komponisten Otto Klauwell, Lehrer am Kölner Konservatoriumam
20.10.1889 in Köln uraufgeführt, weitere Aufführung in Elberfeld.

Veröffentlicht unter dem Pseudonym: Leo Vonderwied

 

* Das Trauerspiel „Gertrud“
im Jahre 1892 im Frankfurter C. Koenitzer Verlag erschienen.

Veröffentlicht unter dem Pseudonym: L. Vonderwied. 

 

Lebenslauf:

Am 12.04.1887 siedelt sie nach Neuwied um. Von 1903/04 und 1911-15 lebt sie mit ihrem Sohn in München/Schwabingen.

 

1895 unternimmt sie ausgedehnte Agitationsreisen für die SPD. Dabei ist u.a. das Frauenwahlrecht ihr Thema. In den 90er Jahren ist sie aktive Vertreterin der SPD Neuwied und besucht verschiedene Parteitage, bei denen sie Resolutionen einbringt und versucht Frauenpolitik innerhalb der SPD durchzusetzen.

 

1894: Parteitag in Frankfurt, 1896: Parteitag in Gotha, 1895: Parteitag in Duisburg

1897: Parteitag in Essen (Ausschluss), 1897: Parteitag in Neuwied (Ausschluss), 1897: Teilnahme am einer Parteikonferenz der oberrheinischen Kreise (Ausschluss)

Einige Veranstaltungen muss sie verlassen, weil es Frauen untersagt ist, sich politisch zu betätigen. Auch der von ihr mitgegründete Volksbildungsverein zu Neuwied wurde polizeilich aufgelöst.

 

Ab 1897 finden sich in den bisherigen Quellen keine Hinweise mehr auf ein politisches Engagement.

 

Vom 14.04 bis 5.05.1933 wird Johanna Loewenherz in sog. Schutzhaft genommen und muss sich danach regelmäßige polizeilich melden. Am 4.4.1937 verfasst sie ihr Testament und vermacht dem Landkreis Neuwied ihr Haus und Anwesen in Rheinbrohl. Der Landkreis kann das Erbe nicht antreten, da es jüdischer Herkunft ist. Eine Testamentvollstreckerin, verwaltet das vermietete Haus und veräußert Grundstücke. Erst als am 03.02.1984 das Amtsgericht Linz dem Rechtsanwalt Dietmar Welsch die Nachlasspflege überträgt wird das Erbe entdeckt.

 

Im Mai 1985 beschließt der Kreis das Erbe anzunehmen. Ein Jahr später wird die Stiftung „Ehrenpreis des Landkreises Neuwied – Johanna-Loewenherz-Stiftung“ gegründet.