Ministerin für Integration Irene Alt: „Es gibt im Land viele erfolgreiche Projekte und Initiativen, die die Chancen für Jugendliche mit Migrationshintergrund verbessern“ - Fazit: Kooperationen und Vernetzung untereinander intensivieren

 

„Ein guter Schulabschluss ist das beste Rezept, um einen Ausbildungsplatz zu bekommen und später eine erfolgreiche Berufslaufbahn einzuschlagen. Ein schlechtes Zeugnis oder gar der fehlender Schulabschluss lassen darauf schließen, dass der Bewerber nicht berufsreif ist und somit die Ausbildung nicht schafft. Dies- und keineswegs kulturelle Vorbehalte- sei der wesentliche Grund, einen Jugendlichen nicht einzustellen, war die einhellige Einschätzung der siebenköpfigen Expertenrunde mit Ministerin Irene Alt, die von Landrat Kaul und dem Beirat für Migration und Integration zu einem fachlichen Austausch zur Verbesserung des Übergangs von Schule in die Ausbildung nach Asbach eingeladen wurden. „Ob es sich um einen einheimischen Jugendlichen handelt oder ob er aus einer Migrantenfamilie kommt, ist in der betrieblichen Realität deshalb überhaupt nicht von Bedeutung,“ stellte Helmut Hecking, Ausbildungsleiter eines großen mittelständischen Unternehmens im Norden des Landkreises Neuwied klar.

von links nach rechts: Die organisatoren des Infoabends: Der Beirat für Migration und Integration: Edith Pierrat, Raffaele Zampella, Ministerin Irene Alt, Ilhan Sandayuk, Hüseyin Ilbey, Wolfgang Gisevius, Dilorom Jacka, Andrea Oosterdyk, Elisabeth Bröskamp, Herbert Woidtke, Verbandsbürgermeister Lothar Röser

 

„Doch wer aus bildungsfernen Elternhäusern kommt, dort wenig Unterstützung erhält und wenn noch Sprachprobleme dazukommen, hat es schwerer, einen guten Schulabschluss zu erreichen. Hier haben Migranten statistisch nachweisbar die schlechtere Ausgangslage und hier müssen Lösungen gefunden werden,“ erläuterte Vorstandsmitglied im Beirat und Mitglied des Landtages, Elisabeth Bröskamp, die Sichtweise des Beirates. Nach Einschätzung von Ralf Gies von der Agentur für Arbeit in Neuwied, Berthold Becker von der Regionalschule Plus in Asbach und Fachoberschule Technik und Heribert Welter von der David-Roentgenschule wird der Personenkreis der Schulabgänger ohne die erforderliche Berufsreife zunehmen und in Anbetracht der demographischen Entwicklung und des immer stärkeren Fachkräftemangels werden Kooperationen zwischen Schule und Firmen intensiviert werden müssen. Förderlehrgänge hin zur Ausbildung, betriebliche Praktika und berufsbegleitende Maßnahmen in den Betrieben werden wahrscheinlich zum Regelfall werden, um alle Potentiale auszuschöpfen und die Abbrecherquote zu reduzieren, sind Werner Wittlich, Präsident der Handwerkskammer Koblenz und Dr. Sabine Dyas, Geschäftsführerin der IHK Neuwied-Altenkirchen überzeugt.

 
Die Referenten und Experten: Geschäftsführerin Dr Sabine Dyas IHK Neuwied-Altenkirchen, Vors. Beirat Raffaele Zampella, , Ministerin Irene Alt, Präsident Werner Wittlich HWK Koblenz, Ralf Gies, Agentur für Arbeit Neuwied, Ausbildungsleiter Helmut Hecking, MdL Ellen Demuth, Landrat Rainer Kaul,

Dr. Dyas wies darauf hin, dass die IHK auch einen gut gefüllten Fördertopf habe, der diesen Zwecken zur Verfügung stehe. Auch das Ehrenamt könne eine wertvolle Hilfe sein, etwa durch Begleitung und Kontaktherstellung als Bildungspate, so ein Hinweis aus dem Publikum. Auch gut integrierte und erfolgreichen Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund seien wichtige Vermittler. Landrat Kaul fasste die von Andrea Oosterdyk (Integrationsbeauftragte Kreis) und Dilorom Jacka (Beirat) geführte Diskussion zusammen und machte ein großes Dilemma aus, das gemeinsam ausgeräumt werden müsse: „Wenn ein Jugendlicher die Schule verlässt, verlieren wir ihn aus den Augen und die Jugendlichen mit Problemen fallen durch das Raster. Das darf nicht passieren. Es muss uns gelingen, dass wir die Verantwortung erst dann abgeben, wenn wir uns sicher sind, dass der Jugendliche an anderer Stelle angekommen und betreut wird.“