Datenautobahn Landkreis Neuwied - Förderung digitaler Infrastrukturen geht weiter

Durch Schweißen des letzten Meters Glasfaser haben Vertreter der Kommunen, des Landes, des Bundes und der Telekom in Neustadt/Wied feierlich das Projekt des landkreisweiten Breitbandausbaus fertiggestellt.

Foto: Durch Schweißen des letzten Meters Glasfaser haben Vertreter der Kommunen, des Landes, des Bundes und der Telekom in Neustadt/Wied feierlich das Projekt des landkreisweiten Breitbandausbaus fertiggestellt.„Wir sind stolz, als einer der ersten Landkreise bundesweit ein Projekt von solcher Größe und Bedeutung erfolgreich durchgeführt zu haben“, begrüßte Landrat Achim Hallerbach die Gäste und blickte gemeinsam mit dem 1. Kreisbeigeordneten Michael Mahlert auf das zurückliegende Großprojekt zurück: Der Startschuss fiel 2015. Anlass war der Wille, neben den unterversorgten Haushalten auch die heimische Wirtschaft zu stärken. Schnell formte sich das politische Ziel: flächendeckende Versorgung des gesamten Landkreises mit Bandbreiten von mindestens 30 Mbit/s. Da das EU Beihilferecht den Einsatz von Fördermitteln nur dort erlaubt, wo der Markt versagt, mussten zunächst diese Bereiche identifiziert werden. Der geförderte Ausbau sollte zusammen mit dem marktgetriebenen Ausbau dazu führen, dass der gesamte Landkreis Neuwied flächendeckend bis Ende 2018 mit ausreichenden Bandbreiten versorgt ist. Nach rund 20 Monaten Bauzeit in acht Bauabschnitten wurden erfolgreich alle 10.500 Haushalte und 2.000 Gewerbe an das schnelle Netz der Zukunft angeschlossen. Dabei wurden 240 km Glasfaser verlegt, 217 neue Kabelverzweiger gebaut bzw. überbaut, acht Netzverteiler errichtet und 186 km Tiefbau durchgeführt. 

Landrat Achim Hallerbach bedankte sich darüber hinaus bei der Bundesregierung für die maßgebliche Förderung des Projekts: „Die wesentlichen Fördermittel, nämlich 50 Prozent kamen vom Bund – 40 Prozent vom Land Rheinland-Pfalz und die restlichen 10 Prozent von den Kommunen. Ohne diese wären die Maßnahmen gar nicht erst möglich gewesen. Mein ganz besonderer Dank gilt deshalb unserem heimischen Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel, der sich maßgeblich für unseren Förderantrag in Berlin eingesetzt und verwendet hat.“

„Wir blicken zurück auf eine aufregende Zeit in der wir einige Hindernisse zu meistern hatten. Seien es Mehrbedarf an Tiefbau, topografische Schwierigkeiten bei der Leitungsverlegung in Fels und Gestein und zu guter Letzt noch ein Munitionsfund aus dem Zweiten Weltkrieg“, berichtet Ralph Remlinger, Ressortleiter Produktion Technische Infrastruktur der Deutschen Telekom Technik GmbH und ergänzt: „Trotz allen Widrigkeiten ist es uns gelungen, die Bauzeit einzuhalten und den Ausbau wie geplant durchzuführen“.

Während die Vodafone Kabel Deutschland GmbH die Versorgung der Haushalte an der Rheinschiene mit Bandbreiten > 30 Mbit/s gewährleistet und die KEVAG Telekom den Bereich des vorderen Westerwalds übernimmt, ist die Deutsche Telekom fast im gesamten Landkreis vertreten. Durch das Projekt des geförderten Ausbaus wurden vor allem Haushalte in kleineren Ortslagen und Randbereichen ausgebaut, deren Erschließung bisher an zu hohen Baukosten scheiterte.

Rund 160 Ausbaugebiete sind in 42 Ortsgemeinden über den ganzen Landkreis verteilt. Ein Großteil sammelt sich im nordwestlichen Teil. „Der Ausbau nimmt für Asbach eine ganz besondere Bedeutung ein. Mit etwa einem Drittel macht die Verbandsgemeinde Asbach einen großflächigen Teil des Projektes aus. Nun freuen wir uns, den Aspekt des Arbeitens in unserem ländlich geprägten Einzugsgebiet zu steigern. Für Unternehmen, Gewerbetreibende, Freiberufler und Home-Office’ler haben wir einen großen Meilenstein gesetzt.“, erläutert Michael Christ, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Asbach.

Mit insgesamt 10,1 Mio € fördern Bund und Land den Ausbau der Glasfaser bis zum Verteiler. Mit einem optisch elektrischen Wandler kann die bisherige Kupferstruktur zur Übertragung bis in die Haushalte weiterhin genutzt werden. Dadurch konnten mit verhältnismäßig geringem Tiefbauaufwand und ohne erneute Hausanschlusskosten viele Haushalte mit mindestens 30 Mbit/s, weitestgehend sogar mit 50 bis 100 Mbit/s erschlossen werden. Kleine Teile des Landkreises wurden außerdem mit direkten Glasfaseranschlüssen versorgt.

„Der erste Förderaufruf des Bundes war geprägt von allem, was ein Pilotcharakter mit sich bringt. Zu der Zeit der Bescheiderteilung war beispielsweise noch nicht einmal klar, ob Vectoring im geförderten Ausbau zugeschaltet werden darf.“, erinnert sich Martin Rudersdorf, Berater des Landkreises. „Glücklicherweise entschied die EU-Kommission im August 2017 positiv darüber. Mit dieser Technologie werden die Bandbreiten ab dem Kabelverzweiger fast verdoppelt. Heute gibt es klare Einordnungen und es hat sich eine konstante Förderkulisse entwickelt.“

„Breitband ist ein harter Standortfaktor – der Ausbau der Gigabit-Netze wird die Basis für den Wohlstand und die volkswirtschaftliche Entwicklung ganzer Regionen sein“, betont der Regionalleiter der atene KOM gmbH, Manfred Henning. Auch lobte er die vorbildliche und zielgerichtete Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis, dem Bundesland Rheinland-Pfalz und dem Bund: „Hier findet ein regelmäßiger Dialog statt, welcher in einer Prozesskette von der Markterkundung, über die Antragstellung, bis hin zur jetzigen Fertigstellung hervorragend verlief." 

Alleine das Land Rheinland-Pfalz unterstützt das Projekt auf der Grundlage des Zuwendungsbescheides vom März 2017 mit rund 4,5 Millionen Euro. Für die Glasfaseranbindung von 119 Schulen hat das Land bereits im Oktober 2017 weitere Fördermittel in Höhe von knapp einer Million Euro und darüber hinaus Fördermittel in Höhe von rund 887.000 Euro für einen ergänzenden Ausbau in Projektgebiet zugesagt. „In den rheinland-pfälzischen Landkreisen befinden sich derzeit viele Ausbauprojekte parallel in der Umsetzung. Durch die Projekte werden im ganzen Land rund 9000 Kilometer Glasfaser neu ausgebaut“, so Innenstaatssekretär Günter Kern. Für die aktuell laufenden Projekte stelle das Land insgesamt 124,7 Millionen Euro bereit. Auch den flächendeckenden Ausbau von Gigabit-Netzen und den Wechsel hin zum Glasfaser habe die Landesregierung bereits im Blick. Mit dem Doppelhaushalt für die Jahre 2018/19 stellt Rheinland-Pfalz die Weichen. Es wird ein Verfügungsrahmen in Höhe von 575 Millionen Euro für die kommenden Jahre geschaffen.


„Die Zukunft heißt Digitalisierung!“, betonte Landrat Achim Hallerbach und erklärte: „Mit der Herstellung der Infrastrukturen zum Betrieb der Hochgeschwindigkeitsnetze legen wir den Grundstein für Digitalisierungsmöglichkeiten. Besonders möchte ich erwähnen: die Setzung des ersten Meilensteins für papierlose Antragstellung im Kreishaus: kostenloses WLAN in den Publikumsbereichen. Mindestens genauso viel Engagement und Arbeit braucht es, eine Strategie zu entwickeln um die Verwaltung zu digitalisieren. Zum Leben in der heutigen Gesellschaft gehört auch die zur Nutzung des Angebotsspektrums der Verwaltung als Dienstleister mittels der geschaffenen Infrastrukturen. Schon bald wird man z.B. das Kraftfahrzeug online an- und abmelden können. Und das ganz ohne mehrfache Papierausfertigungen, die die Umwelt belasten“.

Die Deutsche Telekom setzt auf die Datenautobahn im Landkreis Neuwied. Auf eigene Kosten wurden in den letzten Jahren rund 39.000 Haushalte ausgebaut. Mit dem Einsatz von Super-Vectoring will die Telekom künftig sogar Bandbreiten von bis zu 250 Mbit/s anbieten können. 

„Mit dem leistungsstarken Netz gehören familiäre Streitereien der Internetnutzung in den Abendstunden der Vergangenheit an“, so Karsten Fehr, Vorsitzender der Kreisgruppe Neuwied des Gemeinde- und Städtebundes. „Telefonieren, Surfen und Streamen werden gleichzeitig möglich sein.“, bestätigt Remlinger. „Schnelles Internet spielt heute für das Leben eine große Rolle. So erleichtern Online-Einkäufe das tägliche Leben. Schnelles Internet fördert auch die Gemeinschaft und die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. Mit dem Ausbau der Breitbandversorgung wird auch der Grundstein für den Arztbesuch der Zukunft gelegt. Durch die große Datenübertragung ist es möglich, gestochen scharfe Bilder zu übertragen, Online-Sprechstunden werden schon bald möglich sein.“

Viele unterschiedliche Faktoren machen den Landkreis Neuwied zu dem, was er ist und wofür er von den Menschen geschätzt wird. „Eine bedeutsame Grundlage für die hohe Lebensqualität und einen bescheidenen Wohlstand der Menschen in unserem Landkreis ist eine gesunde Wirtschaft. Für die vielen im Landkreis ansässigen kleineren und mittleren Unternehmen, genauso wie für große Betriebe ist die Lage unsers Landkreises ein echtes Plus. Als „Landkreis der Schulen“ und Träger vieler Schulen aller Schularten fühlen wir uns der Bildung und Ausbildung junger Menschen in ganz besonderer Weise verpflichtet“, hob Michael Mahlert hervor und freut sich weiter: „Der Fördermittelgeber hat dem Kreis die Möglichkeit der Hinzunahme der Schulen in das laufende Projekt eröffnet. Wie befinden uns im Ausschreibungsverfahren, um den Auftrag über den Ausbau der insgesamt 73 unterversorgten Schulstandorte zu vergeben.“ Dabei ist vorgesehen, alle Schulen mit einem direkten Glasfaseranschluss auszustatten. Hierüber können sodann Bandbreiten von bis zu 1 Gibt/s gebucht werden.

„Die Förderung geht weiter!“, verkündet Rudersdorf. Henning bestätigt: „Vor allem Schulen werden im Landkreis vom Ausbau profitieren. Sowohl die jüngste Novellierung vom Sommer 2018 als auch der Sonderaufruf Schulen und Krankenhäuser, sowie der Sonderaufruf Gewerbe- und Industriegebiete werden das Bundesförderprogramm ergänzen.“

Auch die vereinzelten Rückzieher der Telekommunikationsunternehmen bei sogenannten eigenwirtschaftlichen Ausbauerklärungen können durch ein Nachförderverfahren mit schnellem Internet ausgeglichen werden. Der Kreis Neuwied rechnet täglich mit den dazu passenden Förderbescheiden von Bund und Land. „Wenn diese Punkte abgearbeitet sind erreichen wir die nächste Stufe des flächendeckenden Breitbandausbaus. Danach werden von ca. 60.500 Anschlüssen im gesamten Landkreis nur noch 360 außerhalb der bebauten Ortslage mit Bandbreiten unter 30 Mbit/s versorgt sein.“, verkündet Mahlert.


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