Ein schweres Erbe: Transgenerationale Weitergabe von Traumata

Viele kennen es: Das betretene Schweigen der ganzen Familie, wenn es um „Onkel Egon“ oder die „Cousine Gerda“ geht, das kollektive Schweigen einer ganzen Generation, wenn es um Kriegserlebnisse geht oder das scheinbar irrationale Verhalten eines Menschen, der ganz augenscheinlich ein gutes Elternhaus und damit eine gute Kindheit hatte.

Foto: (v.l.n.r.): Marlis Donnhauser, Mitarbeiterin Frauenhaus Westerwald, Doris Eyl-Müller, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Neuwied,  Uwe Kukla, stellv. Abteilungsleiter Kreisjugendamt, Dr. Markos Maragkos, Arbeitsgemeinschaft für Verhaltensmodifikation (AVM) München, 1. Kreisbeigeordneter Achim Hallerbach, Jugend- und Familiendezernent des Landkreises Neuwied.Nicht selten liegen diesem Verhalten schreckliche und traumatisierende Ereignisse zu Grunde, die sich im Jetzt auswirken, aber schon Generationen vorher passierten. 

Wie traumatische Erlebnisse von einer Generation auf die nächste übertragen werden können, war Inhalt der Fachtagung des Kreisjugendamtes Neuwied und des Runden Tisches Rhein-Westerwald,  im Rahmen des Rheinland-Pfälzischen Interventionsprojektes gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen in Neuwied. Dr. Markos Maragkos, Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut von der Arbeitsgemeinschaft für Verhaltensmodifikation (AVM) München, verwies darauf, dass gerade beziehungsbezogene traumatische Ereignisse, wie Gewalt in der Familie, über ganze Generationen hinweg Verhalten sich selbst und anderen gegenüber beeinflussen. Sie beeinflussen nicht nur die Bindungs- und Kommunikationsfähigkeit und damit auch die Erziehungskompetenz, sondern manifestieren sich unter Umständen gar in veränderten Hormonspiegeln oder Genfunktionen.

Auf die Schwierigkeiten im Umgang mit direkt oder auch indirekt traumatisierten Kinder und Jugendlichen wies der 1. Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach, als zuständiger Dezernent, in seiner Begrüßung hin: „Im Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamtes, in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, in Pflegefamilien, in ambulanten Hilfen zur Erziehung wie auch in den Kindertagesstätten sehen wir im Verhalten von Kindern und Jugendlichen die Auswirkungen von Gewalt und traumatischen Erlebnissen. Wir haben die Fortbildungen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgebaut und eine Möglichkeit geschaffen, konkrete Behandlungskonzepte für betroffene Kinder mit externen Fachkräften zu erarbeiten“. Dabei lobte er die Arbeit des Runden Tisches, der seit Jahren an dem Thema „Gewalt und Trauma“ arbeitet, um das Hilfesystem für Betroffene zu optimieren und die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren. Am Runden Tisch Rhein-Westerwald arbeiten Organisationen und Institutionen aus den Landkreisen Altenkirchen, Neuwied und dem Westerwaldkreis zusammen. 

Doris Eyl-Müller, als Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Neuwied auch Mitglied des Runden Tisches Rhein-Westerwald stellte die gute Zusammenarbeit der einzelnen Institutionen, die am Runden Tische zusammenarbeiten den Anwesenden vor. „Betroffenen zu helfen und langfristig Gewalt einzudämmen oder gar zu verhindern, ist das gemeinsame Ziel aller hier Anwesenden, dass wir dabei oft in die Vergangenheit des Einzelnen und in die seiner Familien zurückblicken müssen, ist eine der wesentlichen Kenntnisse des heutigen Tages“, fasste die Mitarbeiterin des Frauenhauses Westerwald Marlies Donnhauser, die kurzfristig als Moderatorin für die Gleichstellungsbeauftragte des Westerwaldkreises Beate Ullwer eingesprungen war die Diskussionsergebnisse zusammen.

Informationen zum Rheinland-Pfälzischen Interventionsprojekt finden Sie unter: www.rigg.rlp.de


Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste und dienen der Optimierung Ihres Online-Erlebnisses. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Informationen zu unseren Datenschutzbestimmungen finden sie hier.
Ok