Psychische Belastungen am Arbeitsplatz: Zwischen Broterwerb und zentralem Lebensmittelpunkt

Die Resonanz spricht für die Aktualität: Weit über 120 Menschen der verschiedensten Berufe hatten den Weg in die Volkshochschule Neuwied gefunden, um über den Sinn der Erwerbsarbeit zu diskutieren. Die von der Gesundheitsförderung, der Psychiatriekoordination und Gleichstellungsstelle des Landkreises organisierten Gesundheitskonferenzen befassen sich mit psychosozialen Belastungen am Arbeitsplatz.

Foto: Weit über 120 Menschen der verschiedensten Berufe hatten den Weg in die Volkshochschule Neuwied gefunden, um über den Sinn der Erwerbsarbeit zu diskutieren. Die Organisatoren und Referenten am Stand der NEKIS (v.l.n.r.): Psychiatriekoordinator Dr. Ulrich Kettler, 1. Kreisbeigeordneter Achim Hallerbach, Gesundheitsförderin Rita Hoffmann-Roth, Dipl. Psych. Markus Schmitt, Präventologin Juliane Klein, Gleichstellungsbeauftragte Doris Eyl-Müller. Bereits in der Begrüßung verwies Achim Hallerbach, 1. Kreisbeigeordneter und zuständiger Dezernent für das Gesundheitsamt auf die Motivation der Organisatoren: „Die Zahlen der Sozialversicherungsträger belegen deutlich: der Anteil der psychischen Störungen und Erkrankungen steigt ebenso kontinuierlich, wie die Zahl der Fehltage aufgrund ebensolcher Belastungen und Erkrankungen“. Dass die einfache und gleichwohl gerne angeführte Erklärung, es läge an der Arbeitsverdichtung bestenfalls nur die halbe Wahrheit trifft, verdeutlichte, mit viel Witz und Charme, Dipl.- Psychologe Markus Schmitt, Psychologischer Leiter des Eichenberg Instituts für Gesundheitsmanagement und Personalentwicklung Koblenz.

Dabei verwies er auf viele Irritationen oder Verwechslungen bei der Diskussion um Arbeit und Arbeitswelt. Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, auf einer einsamen Insel zu sein und nichts tun zu müssen. Doch Schonung ist nicht gleich Erholung, mit diesem Missverständnis räumte der Referent klar auf. Ein anderes Beispiel: drei Arbeitsstunden mit einer unbefriedigenden, sinnentleerten und fremdbestimmten Arbeit können gesundheitsgefährdender sein als acht Stunden mit einer erfüllenden Arbeit. Jede Diskussion über Gesundheit und Arbeitswelt müsse sich mit der Qualität der Arbeit, dem Arbeitsumfeld und den sozialen Strukturen befassen. Anforderung sei im richtigen  Kontext, kombiniert mit ausreichender Erholung, gesundheitsfördernd. Schon sein Diskurs zu den großen deutschen Philosophen Kant, Hegel oder Marx unterstrich die Wichtigkeit der Arbeit für das Menschsein. Jedoch müsse Arbeit sinnbringend und selbstwirksam sein, sie binde den Menschen in ein soziales System ein und gebe letztlich Orientierung und Erfolgserlebnisse. Diesen Rahmen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schaffen, sei eine Herausforderung für jede Führungskraft, da es Kompetenzen erfordere, die in der Vergangenheit sträflich vernachlässigt wurden.  In seinem Vortrag gelang es Schmitt, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für das Thema zu fesseln, aber auch zum Nachdenken anzuregen, wie die anschließende Diskussion verdeutlichte.

Wie Erholung auch tatsächlich funktioniert, erklärte Juliane Klein, die als geprüfte Präventologin, kleine Kniffe zur Entspannung in praktischen Übungen vermittelte. Zahlreiche Infostände boten zudem die Möglichkeit Hilfsangebote im Landkreis kennenzulernen und Infobroschüren mitzunehmen.

Die Organisatorinnen Rita Hoffmann-Roth, Gesundheitsförderung, Dr. Ulrich Kettler, Psychiatriekoordinator und Doris Eyl-Müller, Gleichstellungsbeauftragte  zeigten sich zufrieden mit der Veranstaltung: „In unserer sich rasend schnell verändernden Arbeitswelt, ist es wichtiger denn je, dass die  Menschen, eben auch jene, die noch voll in der Arbeitswelt stehen, gesund bleiben. Erkrankungen erzeugen Leiden und kosten Geld. Dies möglichst zu vermeiden ist mehr also logisch“.

Informationen zu den Gesundheitskonferenzen im Internet auf der Seite: www.psychiatrie-neuwied.de (Netzwerke und Veranstaltungen/ Die Neuwieder Gesundheitskonferenzen).


Bildergalerie der Veranstaltung:

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