Experte: regionale Landwirtschaft ist Premiumprodukt - Ohne Landwirte gibt es keine Lebensmittel

Nachhaltige und umweltverträgliche Produktionsweise, kostendeckende Produktion, Marktnischen und neue Vertriebswege durch neue Strategien erschließen, Digitalisierung und zahlreiche andere Themen standen auf der Tagesordnung der jüngsten Zusammenkunft der Landwirte im Kreis Neuwied. Im Rahmen der traditionellen Lichtmesstagung in Neustadt-Fernthal konnte Dominik Ehrenstein, Vorsitzender des Vereins Landwirtschaftlicher Fachbildung Neuwied e.V. (VLF), zahlreiche Gäste aus Agrarverwaltung und dem landwirtschaftlichen Berufsstand begrüßen. Besonders erfreut zeigte sich Dominik Ehrenstein, dass nach sehr langer Zeit wieder ein amtierender Landrat, in der Person von Achim Hallerbach, der Lichtmesstagung beiwohnte. In seiner Begrüßungsrede schilderte der Vorsitzende die Herausforderungen, denen sich der landwirtschaftliche Berufsstand in diesem Jahr stellen muss.

Foto: Im Rahmen der traditionellen Lichtmesstagung in Fernthal konnte Dominik Ehrenstein, Vorsitzender des Vereins Landwirtschaftlicher Fachbildung Neuwied e.V., zahlreiche Gäste aus Agrarverwaltung und dem landwirtschaftlichen Berufsstand begrüßen. Hella Holschbach, Vorsitzende des Landfrauenverbandes, Thomas Ecker, Geschäftsführer VLF Neuwied, Prof. Dr. Carsten Hebestreit, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Dominik Ehrenstein, Vorsitzender VLF Neuwied, Volker Siemeister, 2. Vorsitzender VLF Neuwied, Achim Hallerbach, Landrat des Landkreises Neuwied.Mit den Worten von Karl Marx: „Ideologie ist das falsche Bewusstsein einer Gesellschaft. Ideologie bezeichnet Ideen und Weltbilder, die sich nicht an guten Argumenten orientieren, sondern die darauf abzielen, Machtverhältnisse zu beeinflussen“, verwies Dominik Ehrenstein auf die Ohnmacht einer sachlichen Argumentation im Hinblick auf die abnehmende gesellschaftliche Akzeptanz der landwirtschaftlichen Produktionsweise, die, so Ehrenstein, von einer lautstarken Minderheit in der Bevölkerung geschürt werde. Er sieht die Landwirtschaft im Spagat zwischen überzogenen Anforderungen die mit der Selbstverständlichkeit einer ausreichenden Versorgung mit qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln konterkariert. „Unsere heimische Landwirtschaft ist in der Nahrungsmittelerzeugung vorbildlich. Wer überzogene Ansprüche stellt schädigt unsere Landwirtschaft und fördert Importware, aus Ländern mit geringeren Umwelt- und Tierschutzstandards!“, so Ehrenstein. Seine Forderung an die regionale Politik: „Stärken Sie unsere Landwirte!“ 


Der Landrat des Kreises Neuwied, Achim Hallerbach bestätigte den Landwirten in seinem Grußwort auch gleich eine nachhaltige und umweltverträgliche Produktionsweise. Beim Natur- und Umweltschutz sieht er die Landwirte als verlässliche Partner, ohne die eine Erhaltung der Kulturlandschaft an Rhein, Wied und Westerwald nicht denkbar wäre. „Nitratbelastung im Grundwasser ist bei uns kein Thema“, stellte der Landrat fest. Sein erklärtes Ziel sei es, die Beziehung zwischen Stadt und Land neu auszurichten und den Dialog mit den Kritikern der landwirtschaftlichen Wirtschaftsweise zu suchen. „Die Landwirte brauchen faire Preise und die verdiente Wertschätzung ihrer Arbeit und Produkte“, so Hallerbach und ergänzt: „Ohne Landwirte gibt es keine Lebensmittel.“ Er versprach, die Landwirte auch weiterhin zu unterstützen. Ein Unterstützungskonzept ist die Veranstaltungsreihe „LANDreisen“, bei der im März die sechste Vortragsveranstaltung zu Themen rund um Landwirtschaft und Gesellschaft angeboten wird. 

Nach den Einführungsworten referierte Professor Dr. Carsten Hebestreit, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heidenheim zum Thema „Der Ball ist rund - wäre er eckig, wäre er ja ein Würfel“. Am Beispiel der europäischen Fußballspitzenclubs erläuterte er Erfolgs- und Versagensstrategien und transferierte diese auf Staaten und Wirtschaftsunternehmen, um seine Feststellungen dann auf die Situation der regionalen Landwirtschaft zu übertragen. „Wenn sie zu Preisen produzieren, die nicht kostendeckend sind, machen sie etwas falsch“, stellte der Wissenschaftler fest.

Den Einwand der Landwirte, dass ihre Situation nicht mit der von Fußballclubs und Unternehmen anderer Branchen vergleichbar sei, ließ er nicht gelten. „Man muss sich aus der Opferrolle befreien und klare Strategien entwickeln, um erfolgreich zu sein“, rief er den Landwirten zu und räumte ein, dass diese nicht für jeden Betrieb dieselben seien. “Prüfen sie unbedingt ihre Vertriebswege“, riet er den Landwirten und empfahl einen Vertriebswege-Mix aus Massen- und Premiumware. Die Nutzung der Digitalisierung zur Kosteneinsparung sei in die Strategieausrichtung unbedingt einzubinden, wie auch eine mögliche Belegung von Marktnischen. Nach seiner Auffassung ist die regionale Landwirtschaft ein Premiumprodukt, das es zu entwickeln und zu vernetzen gilt.

Im Anschluss referierte Volker Siemeister, Landwirtschaftsmeister aus Leutesdorf und Wildschadensschätzer über den Drohneneinsatz zur Wildschadensbewertung. Er berichtete von ersten „Gehversuchen“ bei der Erstellung von Luftaufnahmen seiner Ackerflächen und der mühevollen Quantifizierung der entdeckten Wildschäden. Nach und nach entwickelte er das Verfahren mit zwei „flugkundigen“ Partnern und dem Einsatz verbesserter Drohnentechnik weiter, bis die geschädigten Ackerschläge nahtlos in einer Luftbildserie erfasst und die Schadensareale vermessen werden konnten. Diese Methode der Wildschadensbewertung erspart Landwirten, Jagdpächtern und Wildschadensschätzern ein langes mühevolles herumirren in großen Maisschlägen.

Abschließend berichteten Christiane Erhardt und Thomas Ecker von der Unteren Landwirtschaftsbehörde der Kreisverwaltung Neuwied über Änderungen in den Agrarfördermaßnahmen.

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