Westerwälder Bauern demonstrierten in Bonn - Hallerbach: Landwirtschaft dringend für Erhaltung ländlicher Räume notwendig

„Die Protestaktion der jungen Landwirtinnen und Landwirte klingt wie ein Hilfeschrei“, erklärt Achim Hallerbach, Landrat des Kreises Neuwied, angesichts der spontan organisierten bundesweiten Protestaktion. Vorwiegend junge Menschen mit einer soliden landwirtschaftlichen Ausbildung und Verantwortungsbewusstsein für ihr Land und ihre Tiere haben in zahlreichen deutschen Städten ihrem Unmut über die bürokratische Gängelung und Diffamierung Luft gemacht.

Foto: Mit zahlreichen Traktoren aus den drei Westerwälder Landkreisen Altenkirchen, Neuwied und Westerwald fuhren Landwirte nach Bonn um dort für ihre prekäre Situation zu demonstrieren. Achim Hallerbach, Landrat des Kreises Neuwied, unterstützt die Aktion und macht klar, dass die Landwirtschaft als Lebensmittelproduzent und Landschaftspfleger dringend für die Erhaltung der ländlichen Räume benötigt wird.In sozialen Netzwerken haben organisationsunabhängige, engagierte Menschen vom Lande eine Massenbewegung mobilisiert, die mit ca. 18.000 Traktoren in zahlreichen Kolonnen auf die unerträgliche Situation der bäuerlichen Familien aufmerksam gemacht hat. „Das waren keine Tierquäler oder Umweltverschmutzer, sondern die Lebensmittelproduzenten und Landschaftspfleger, die wir dringend für die Erhaltung der ländlichen Räume benötigen“, so Achim Hallerbach. 

Mit wachsender Sorge verfolgt der Landrat die Entwicklung auf den Höfen. Im Landkreis Neuwied haben zwei Drittel der Betriebsinhaber das 50. Lebensjahr überschritten. Nur bei ca. 15 Prozent der Betriebe gilt die Hofnachfolge als gesichert. So werden in zehn Jahren im Landkreis bestenfalls noch 50 bäuerliche Haupterwerbsbetriebe von Menschen mit fachlich fundierter Ausbildung geführt. „Eine erschreckende Entwicklung!“, klagt der Landrat und nennt auch gleich die Ursachen. „Unverhältnismäßig hohe Restriktionen in der Bewirtschaftung – insbesondere durch die Verschärfung der Düngeverordnung und der Umsetzung des Insektenschutzprogramms, mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz bis hin zur Verunglimpfung und ein bürokratischer Aufwand in der Betriebsführung, der im Missverhältnis zur Erledigung der ursächlichen bäuerlichen Arbeit steht.“ 

Thomas Ecker, Untere Landwirtschaftsbehörde der Kreisverwaltung und Vorstandsmitglied des Vereins landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen (VLF), befürchtet, dass immer mehr junge Hofnachfolger die Lust an der Landwirtschaft verlieren. Darüber hinaus werden die Fachausbildungsstätten immer stärker zentralisiert. In Montabaur, dem letzten landwirtschaftlichen Schulstandort im Westerwald wird in diesem Jahr keine Fachschulausbildung mehr angeboten. „Nach Abschluss des derzeit noch laufenden Meisterkurses ist die landwirtschaftliche Berufsausbildung im Westerwald Geschichte“, sagt Ecker. 

Martin Eudenbach, Landwirt aus Waldbreitbach-Over hatte in den drei Westerwälder Landkreisen eine Hundertschaft von Traktoren für die Fahrt nach Bonn aktiviert. „Ich freue mich, dass unsere Aktion ein so großes Echo in der regionalen Politik, aber auch in der Presse und der Bevölkerung gefunden hat. Daran müssen wir jetzt anknüpfen. Es geht um nicht weniger, als um unsere berufliche Zukunft“, so Eudenbach.

„Jetzt gehören alle gesellschaftlichen Akteure an einen Tisch. Umwelt- und Naturschutz ist nur mit und nicht gegen die Landwirte möglich. Verlieren wir die heimischen Landwirte, dann werden wir eine Landwirtschaft haben, die so niemand gewollt hat“, sichert Achim Hallerbach den Landwirten seine Unterstützung zu.

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