„Können und wollen wir uns nicht gefallen lassen“ - Hallerbach: Unfall belegt Notwendigkeit einer Alternativtrasse

Neuwieder Landrat übt harsche Kritik an Ankündigung des Verkehrsstaatssekretärs

Der Neuwieder Landrat Achim Hallerbach findet deutliche Worte für seine Kritik am Bund, der angekündigt hatte, von der Planung einer Alternativbahnstrecke zur Entlastung des Rheintals abzuweichen. Der Verkehrsstaatssekretär des Bundes, Enak Ferlemann hatte mitgeteilt, dass eine Ausweichstrecke für den Güterverkehr erst bei einer Vervielfachung des Verkehrsaufkommens in Bezug auf den bis 2030 prognostizierten Zugverkehr wirtschaftlich sei. Hallerbach sagt: „Ein Schlag ins Gesicht der Menschen im Rheintal, Zynismus pur. Es kann nicht sein, dass die Menschen am Rhein seit Jahrzehnten dem drastisch zunehmenden Lärm und den Gefährdungen – insbesondere durch Güterverkehr – ausgesetzt sind, krank werden, Immobilienwerte verlieren und jahrein jahraus mit dem Versprechen hingehalten werden, dass man langfristig für Abhilfe durch eine Alternativstrecke sorgen wolle.“

Der Güterzugbrand am Unkeler Bahnhof unterstreiche nur allzu deutlich die Notwendigkeit einer Alternativstrecke für den Güterverkehr auf der Schiene. Man dürfe nicht warten, bis sich das Verkehrsaufkommen noch weiter erhöht.

Hallerbach dankt den Einsatzkräften von Feuerwehr, DRK und THW für ihren professionellen Einsatz: Sie haben alle korrekt, unverzüglich und professionell gehandelt und somit Schlimmeres verhindert. Ein solches Ereignis rüttele auf, sagt er und ergänzt: „Was wäre, wenn ein solcher Zug an der Engstelle in Leutesdorf gestanden hätte? Wir müssen den Druck für eine Alternativstrecke erhöhen.“

Der Landrat fordert auch: „Das Land muss sich hinter uns stellen und ich werde gemeinsam mit meinem Kollegen 1. Kreisbeigeordneten Michael Mahlert die Vertreter unserer Bahnlärminitiativen und die Bundestagsabgeordneten der Parlamentsgruppe „Bahnlärm“ zu einem Gespräch einladen. Wir müssen GEMEINSAM unserer Forderung Nachdruck verleihen und GEMEINSAM für die Alternativstrecke kämpfen. Die bisherige gute Arbeit der interfraktionelle Parlamentsgruppe „Bahnlärm“ würde ansonsten ad absurdum geführt und wäre eine Missachtung des parlamentarischen Willens. Soweit dürfe es auf keinen Fall kommen.“

Das Leben und Wohnen im Rheintal sei durch Bahnlärm genauso beeinträchtigt wie der Tourismus als einer der wichtigen Standortfaktoren im Mittelrheintal. Auf der einen Seite soll das Rheintal in seiner Gesamtheit als UNESCO-Welterbe deklariert werden, auf der anderen Seite soll sich der Zuglärm um ein Mehrfaches erhöhen, bevor es zu einer Ausweichstrecke komme. „Absolut paradox“, bewertet der Landrat diese Doppelzüngigkeit. Und die wirtschaftliche Entwicklung sei ohnehin schon eingeengt, so Hallerbach. „In Gutachten und in den zahlreichen Bürgerinitiativen wurde stets herausgearbeitet wie sehr Bahnlärm gesundheitsschädigend ist. Bürgerinnen und Bürger kämpfen in Initiativen am gesamten Mittelrhein für ihre Rechte. Und das soll nun alles mit einem Handstreich zunichte gemacht werden. Das können und wollen wir uns nicht gefallen lassen!“, macht der Landrat deutlich. Die Bahnlärm-Initiativen müssen nunmehr deutlich enger zusammenrücken und mit einer Sprache sprechen. Es gehe nicht mehr um einzelne „Kirchtürme“ sondern um die Zukunft des gesamten Mittelrheintals.

Hallerbach abschließend: „Wer das Rheintal mit seiner Rheinromantik, mit seinen Burgen und Schlössern, mit der Schönheit der Natur erhalten und weiterhin erleben möchte, der muss jetzt etwas dafür tun. Die Neubauplanung für die Alternativstrecke ist dringender denn je.“


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