Musik bietet Zugang zu dementiell erkrankten Menschen - Seminar für Pflege- und Betreuungskräfte sowie Angehörige am 24. November

Musik kann als Stimmungsförderer nicht nur Symptome bei psychischen Erkrankungen erträglich machen sondern steht auch im direkten Zusammenhang mit Chancen auf Linderung bei Demenzerkrankungen. Darin sind sich Experten sicher. Und so stand das Thema „Musik als Schlüssel - Mit Musik Zugänge zu dementiell erkrankten Menschen schaffen“ auch auf der Tagesordnung eines Seminars für Pflege- und Betreuungskräfte. Das Mehrgenerationenhaus in Neustadt/Wied und die Psychiatriekoordinationsstelle des Kreises Neuwied hatten hierzu eingeladen. Mit Kerstin Kronenberger-Schäfer konnte man eine fundierte Fachfrau als Seminarleiterin gewinnen. Sie ist Musikgeragogin und leitete durch das Programm.

Landrat Achim Hallerbach erläuterte die Situation und zitierte zur Eröffnung der Veranstaltung: „Normalerweise streift die 92-jährige Barbara Witte rastlos durch die Wohnung. Mal wirkt sie niedergeschlagen, mal ängstlich und verloren. Wenn sich aber die Musiktherapeutin Julia Pohl mit ihr hinsetzt und ein Lied auf der Gitarre anstimmt, streift die alte Dame ihre Traurigkeit ab und blüht auf, sie fällt in den Gesang ein und singt sogar in mehreren Sprachen. Trotz der Krankheit erinnert sie sich auf einmal an Lieder aus ihrer Vergangenheit, die sie seit Jahrzehnten nicht mehr gehört, geschweige denn gesungen hat. An diese Headline in einem bekannten online-Magazin habe ich mich erinnert, bestätigt sie uns doch, dass wir mit diesem Thema noch intensiver auseinandersetzen müssen.“ 

Hallerbach betonte, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema Demenz eine wichtige gesundheitspolitische Aufgabe in der Kommune sei. Demenzen zählen neben den Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter. Nach Schätzung der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft leben in Deutschland rund 1,5 Mio. Menschen mit Demenz. Übertragen auf den Landkreis Neuwied kann also von rund 3.500 Menschen mit Demenz ausgegangen werden. 


„Betroffen sind aber natürlich auch ihre Angehörigen, Freunde und Bekannte – insgesamt jedenfalls eine größere Gruppe. Und oft ist es auch eine tiefe Depression, die alte Menschen in demenzielle Strukturen und Verhaltensmuster wandern lassen. Das Thema Demenz, der Umgang mit Menschen mit Demenz und auch die Versorgungsangebote für Menschen mit Demenz haben in unserem Landkreis seit jeher einen hohen Stellenwert“, führte Hallerbach weiter aus. 

Kreis-Psychiatriekoordinator Dr. Ulrich Kettler – und das Netzwerk Demenz im Landkreis Neuwied arbeiten seit vielen Jahren daran, über Demenz zu informieren und die Versorgung zu optimieren. Als besondere Beispiele für die Verbesserung der Angebots- und Versorgungsstruktur nannte der Landrat: die fachärztliche Versorgung, die Schaffung von Wohnbereichen für Menschen mit Demenz in der stationären Altenhilfe sowie die vielfältigen Angebote der Tagespflege. 

Der Landrat – gleichzeitig auch Präsident des Landesmusikverbands Rheinland-Pfalz - zeigte sich auch stolz, „…dass bei uns eine von bundesweit sechs Weiterbildungsstätten zum Musikgeragogen/zur Musikgeragogin gelegen ist. Und zwar an sehr prominenter Stelle: der Landesmusikakademie in Neuwied-Engers.“

Am 24. November wird es mit „Musik liegt in der Luft“ ein weiteres Seminar zum Themenschwerpunkt stattfinden – dann wieder im Mehrgenerationenhaus Neuwied. 

Weitere Informationen über Veranstaltungen rund um die Themen Demenz und gemeindenahe Psychiatrie gibt es im Veranstaltungskalender im Internet: www.psychiatrie-neuwied.de

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste und dienen der Optimierung Ihres Online-Erlebnisses. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Informationen zu unseren Datenschutzbestimmungen finden sie hier.
Ok