Klares Bekenntnis zu regionalen Erzeugern

Kreis Neuwied. Ob Beef-Wochen oder „Advent auf den Höfen“, ob bei Messeveranstaltungen oder wie erst jüngst bei der Podiumsdiskussion „Bauern treffen Händler. Händler treffen Bauern“ mit Nachwuchsführungskräften aus Landwirtschaft und Handel im food hotel – der Landkreis Neuwied macht sein klares Bekenntnis zu regionalen Erzeugern im Jahresverlauf immer wieder deutlich – und das auf vielfache Art und Weise:

„Als einer der wirtschaftsstärksten Landkreise in Rheinland-Pfalz beheimaten wir nicht nur innovative Global Player, Hidden Champions und Familienunternehmen, sondern setzen gemeinsam mit unserer Landwirtschaft und dem Weinbau auf unsere regionalen Produkte“, weiß Landrat Achim Hallerbach. Mit Blick auf die Angebotsstruktur hebt er dabei auch den vorhandenen Facettenreichtum des Landkreises Neuwied als Imagefaktor hervor. Hinzu kommen die erfolgversprechenden Anstrengungen bei der Entwicklung und Nutzung Künstlicher Intelligenz – der Landkreis Neuwied als Verbindung von Heimat und Hightech.

Angesiedelt ist das Projekt “Naturgenuss” von Kreis-Wirtschaftsförderung und Naturpark Rhein-Westerwald genau an der Schnittstelle von Landwirtschaft und Handel, wobei Naturgenuss wiederum eng mit der Regionalinitiative “Wir Westerwälder” kooperiert. Über diese Plattform bringt der Landkreis Neuwied regionale Produkte aus den drei Landkreisen Altenkirchen, Westerwald und Neuwied auf die Tische der Gastronomie sowie in die Regale von Hofläden, Marktständen und des Lebensmitteleinzelhandels. „Knapp 90 regionale Partner – Gastronomen und Erzeuger aus der Landwirtschaft und dem Umfeld - konnten wir bislang gewinnen und die haben auch ihre Absatzmärkte und Kundenklientele gefunden“, kann Naturgenuss-Projektmanager Jörg Hohenadl konkrete Daten benennen.  

Bei der Podiumsdiskussion im food hotel bot Schulleiter Thorsten Fuchs der Regionalinitiative nicht nur die Möglichkeit, den Gästen die Ziele und Beweggründe von Netzwerkarbeit und Vermarktungshilfe genauer zu erläutern, sondern sich auch in die Diskussion einzubringen. Im Anschluss daran konnten alle Beteiligten die Region auch in Form eines Regionalbuffets konkret schmecken und kulinarisch kennenlernen.

Für die rund 50 Nachwuchsführungskräfte aus Handel und Landwirtschaft ging es vorrangig um die möglichen Chancen, aber auch Herausforderungen, die der Lebensmitteleinzelhandel in der Zusammenarbeit bereithält. Dabei betonten Vertreter großer Supermarkt-Ketten die Bedeutsamkeit regionaler Produkte für den Lebensmitteleinzelhandel. Mit speziellen Labels und Kennzeichnungen gehe man hier in den Kundendialog. Kunden schätzen das Angebot regionaler Produkte auf der einen Seite, auf der anderen Seite dienen diese Sortimente auch zur Profilierung und Imagesteigerung im Einzelhandel.

Im Hinblick auf die Entwicklung von Regionalmarken und auch die Zusammenarbeit mit dem Lebensmittel-Einzelhandel sind die Vor-Ort-Strukturen von entscheidender Bedeutung. Von großer Relevanz ist dabei unter anderem die Verfügbarkeit von Produkten und die Gewährleistung von geforderten Zertifizierungen. Hier trennt sich ganz oft die Spreu vom Weizen. Gerade Regionen, die hauptsächlich durch kleine familiäre Erzeugerbetriebe geprägt sind, haben es schwer, Regionalmarken aufzubauen oder Absatzkanäle im klassischen Lebensmitteleinzelhandel zu finden. Personelle, zeitliche aber auch letztlich finanzielle Ressourcen zahlreicher Produzenten verhindern die Entwicklung mehrerer Absatzwege.

„Viele potenzielle Kunden über den Absatzkanal des klassischen Lebensmitteleinzelhandel zu erreichen, ist zweifelsfrei attraktiv und bietet eine große Chance. Damit beide Parteien aber auch nachhaltige Geschäftsbeziehungen auf Augenhöhe entwickeln können, braucht es mitunter ein Umdenken bei manchen Supermarkt-Betreibern, die zwar das Image der Regionalprodukte gerne für sich nutzen möchten, aber den Komfort und Service der industriell gefertigten Produkte gleichfalls einfordern“, ist sich Jörg Hohenadl sicher, dass eine solche Rechnung nicht aufgehen kann: „Regional produziert bedeutet individuell strukturiert und organisiert. Da fehlen oft notwendige, aber zu teure eigene Logistik, da können auch kaum Regalpflege und sonstiger Promotion-Einsatz im Lebensmittelmarkt aus personellen Gründen erbracht werden.“

„Im eher kleinteilig strukturierten Westerwald kommt der Direktvermarktung vor Ort eine besondere Bedeutung zu.  Für unsere Region ist die Direktvermarktung ein wichtiger und wertvoller Absatzkanal, der durch kleine wie große Hofläden, Regiomaten, SB-Boxen und Wochenmarkt-Standbeteiligungen seinen Ausdruck findet. Hier hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan“, stellt Landrat Achim Hallerbach fest.  In der Tat hat sich die Anzahl der entsprechenden Verkaufsstationen am Rhein und im Westerwald signifikant erhöht.

Dementsprechend war die Chance, an regionale Lebensmittel aus heimischer Produktion und Veredelung zu gelangen ohne lange Fahrzeiten zurücklegen zu müssen, noch nie so hoch wie heute.

Jörg Hohenadl: „Die Regionalinitiative Naturgenuss macht diese Angebotsstrukturen sichtbar, informiert und lädt dazu ein, über Aktionen und Veranstaltungen in den Dialog mit heimischen Landwirten, regionalen Manufakturen und Erzeugern zu treten. Denn eines ist sicher: nur das, was man kennt, wird man auch schätzen.“