Altenkirchen/Rheinland-Pfalz. Die Fachkräfteeinwanderung muss praxistauglich gemacht werden. Dafür sprechen sich die in der Landrätekonferenz Nord vertretenen Landrätinnen und Landräte in einem weiteren gemeinsamen Positionspapier aus, das neben der Erklärung zur Reform des Staatsangehörigkeitsrechts ebenfalls im Rahmen der jüngsten Sitzung im Kreishaus Altenkirchen beschlossen wurde. Im Mittelpunkt des Forderungs-Katalogs stehen verlässliche Verwaltungsverfahren, eine bessere Abstimmung zwischen Bund, Land und Kommunen sowie die langfristige Bindung von Fachkräften.
„Fachkräfteeinwanderung ist erst dann erfolgreich, wenn aus einer Einreise eine verlässliche Beschäftigung und eine langfristige Perspektive wird. Dafür müssen alle Beteiligten die Verfahren konsequent an den Bedürfnissen der Fachkräfte, der Arbeitgeber und der Kommunen ausrichten. Ob internationale Fachkräfte tatsächlich in Deutschland arbeiten und dauerhaft bleiben, entscheidet sich nicht allein bei der Erteilung eines Visums, sondern entlang einer gesamten Prozesskette – von der Anwerbung über die Anerkennung beruflicher Qualifikationen bis hin zur Integration am Arbeitsplatz und im Alltag.“, lautet die zentrale Botschaft des Positionspapiers.
Der Vorsitzende der Landrätekonferenz Nord, Landrat Achim Hallerbach, betont: „Internationale Fachkräfte sind essenziell für Wirtschaft und kommunale Daseinsvorsorge – etwa in Krankenhäusern, Pflege, Handwerk oder Bildung. Gleichzeitig tragen die Landkreise große Verantwortung bei der Umsetzung der Fachkräfteeinwanderung. Dazu zählen insbesondere die Arbeit der Ausländerbehörden, die Integration vor Ort, die Unterstützung von Familien sowie Fragen der Wohnraumversorgung, Mobilität und sozialen Teilhabe.“
Auch in dieser Hinsicht befindet sich die Landrätekonferenz Nord im Einklang mit dem Standpunkt des Landkreistages Rheinland-Pfalz. Beide Institutionen sehen Bund und Land in der Pflicht, die kommunalen Strukturen angemessen auszustatten.
„Neue gesetzliche Möglichkeiten zur Fachkräfteeinwanderung dürften nicht dazu führen, dass zusätzliche Aufgaben ohne ausreichendes Personal, verlässliche Finanzierung und geeignete digitale Verfahren bei den Ausländerbehörden ankämen“, so der Geschäftsführende Direktor des Landkreistages Rheinland-Pfalz, Andreas Göbel. Gefordert werden digitale Verfahren zwischen Auslandsvertretungen, Bundesagentur für Arbeit und Behörden – mit klaren Zuständigkeiten, einheitlichen Standards und transparenten Bearbeitungsständen. So sollen Verzögerungen und Mehrfacharbeit vermieden werden.
Ein weiterer Schwerpunkt wird in dem Positionspapier auf die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen gelegt. Insbesondere in Pflege- und Gesundheitsberufen, aber auch in pädagogischen Tätigkeiten, sei der tatsächliche Einsatz internationaler Fachkräfte davon abhängig, wie schnell und verlässlich Anerkennungs- und Berufszulassungsverfahren abgeschlossen werden könnten.
„Die Landrätekonferenz Nord fordert – wie der Landkreistag Rheinland-Pfalz – eine bessere Verzahnung von Anerkennung, Sprachförderung, Qualifizierung und Unterstützung mittelständischer Arbeitgeber. Transparente Anforderungen, Vorprüfungen und ausreichende Kapazitäten sollen die Verfahren planbarer machen, ohne fachliche Standards oder Patientenschutz zu gefährden,“ unterstreicht Landrat Achim Hallerbach.
Aus dem Positionspapier geht deutlich hervor, dass eine erfolgreiche Fachkräftestrategie über die Einwanderung hinausgehen muss. Vor diesem Hintergrund müssten Bund und Land nicht nur für internationale Fachkräfte attraktiv sein, sondern auch für bereits im Land lebende Beschäftigte, Rückkehrende und hochqualifizierte Menschen, die einen Wegzug erwägen.
Neben beruflichen Perspektiven spielen dabei die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, wie beispielsweise funktionierende Verwaltungsabläufe und das gesellschaftliche Klima eine Rolle. Ebenso wichtig sind familienfreundliche Strukturen, Bildungsangebote, bezahlbarer Wohnraum und soziale Teilhabe. „Wer Fachkräfte gewinnen will, muss ihnen und ihren Familien verlässliche Perspektiven bieten – im Beruf ebenso wie im täglichen Leben“, betont die Landrätekonferenz Nord, Landrat Achim Hallerbach, in ihrem Positionspapier.
Die Landrätekonferenz Nord setzt deshalb auf regionale Lösungen, die Fachkräfteeinwanderung mit Wohnraum, Mobilität, Kinderbetreuung, Wirtschaftsförderung und Integrationsarbeit verbinden. Ein einheitliches Modell für alle Regionen werde den unterschiedlichen Ausgangslagen nicht gerecht.
Von der Landesregierung erwarten die Landräte zu diesem Zweck die Schaffung eines landesweiten Lagebildes zur Fachkräfteeinwanderung, die Koordination regionaler Beratungsangebote und die Unterstützung der kommunalen Vollzugs- und Integrationsstrukturen in finanzieller und personeller Hinsicht sowie im Hinblick auf die digitalen Optionen.
Um Fachkräfteabwanderung entgegenzuwirken und Rückkehr zu erleichtern, wird in dem Positionspapier zudem ein gemeinsamer „Bleiben-und-Rückkehr-Pakt“ von Land, Landkreisen, Kammern, Hochschulen und Arbeitgebern vorgeschlagen. „Kern des Ansatzes sind eine belastbare Datenbasis zu Abwanderung und Rückkehr, zentrale regionale Anlaufstellen für Fachkräfte und Familien sowie schnelle, digitale und transparente Verwaltungsverfahren,“ so der Direktor des Landkreistages Rheinland-Pfalz, Andreas Göbel.
Ergänzend sollen Unterstützungsangebote für Wohnraum, Kinderbetreuung, Mobilität und die beruflichen Perspektiven systematisch eingebunden werden. Eine gezielte Rückkehrkampagne soll ausgewanderte Fachkräfte mit konkreten Stellenangeboten und Perspektiven in Rheinland-Pfalz ansprechen. Mit dieser Position verbindet die Landrätekonferenz Nord die Erwartung an Bund und Land, die gesetzlichen und administrativen Voraussetzungen für eine funktionierende Fachkräfteeinwanderung zu schaffen. „Das Ziel ist eine Fachkräftestrategie, die vom ersten Kontakt bis zur langfristigen Bindung reicht – und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ebenso stärkt wie die kommunale Daseinsvorsorge in Rheinland-Pfalz“, so der Vorsitzende der Landräte aus dem Norden des Landes, Achim Hallerbach, abschließend.
