SPNV-Nord fordert Umsetzung der Sanierung der linken Rheinstrecke

Verbandsvorsteher Hallerbach appelliert: „Wir fordern vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) und der Deutschen Bahn AG (DB) beidseits des Rheins funktionierende Eisenbahnstrecken. Deswegen ist die geplante und abgestimmte Korridorsanierung auch der linken Rheinstrecke für uns alternativlos – anstatt jahrelang immer etwas zu sanieren, jetzt einmal richtig und umfassend. Eine drohende Reduktion von 4 auf 2 bei seit langem bekannten Sanierungen unseres Hochleistungsnetzes in Deutschland bringt uns nicht nach vorne und ist ein Armutszeugnis. Wir verlieren so weiter Vertrauen bei Bürgern und Unternehmen. Wir wollen in unserem Gebiet - also ab Oberwesel nördlich - keine Abstriche an den Planungen. Wir brauchen den Neubau der vielen Stationen und den Lärmschutz nicht nur für die BUGA 2029, wir brauchen die vielen eisenbahnbetrieblichen Verbesserungen und auch die Digitalisierung des Knotens Koblenz für pünktlichere und zuverlässigere Züge. Sonst droht uns ein prächtiger Scherbenhaufen.

Sehr geehrter Bundesverkehrsminister Steffen Bilger, sehr geehrte Deutsche Bahn-Chefin Evelyn Palla, ich fordere Sie auf, unsere beiden Rheinstrecken wie geplant zu sanieren und keine Abstriche zu machen.“

Rechtsrheinische Bauarbeiten im Plan, SEV läuft gut, Personenverkehr linksrheinisch erstaunlich zuverlässig

Die Korridorsanierung der rechten Rheinstrecke durch die DB InfraGO ist auf einem erfreulich guten Weg. 

„Die Bauleute bei DB InfraGO und den beauftragten Firmen vollbringen eine hervorragende Leistung und setzen ein großes Bauvolumen um. Den Fortschritt können die Bürgerinnen und Bürger tagtäglich entlang der Strecke beobachten,“ freut sich Verbandsvorsteher Landrat Achim Hallerbach. „Aktuell wird nach uns vorliegenden Informationen von einer pünktlichen Inbetriebnahme der Strecke im Dezember 2026 ausgegangen, was auch sehr erfreulich ist.“

Verbandsdirektor Thorsten Müller zum rechtsrheinischen Busersatzverkehr: „Wir verfolgen intensiv den rechtsrheinischen Schienenersatzverkehr (SEV). Natürlich klemmt es auch mal im SEV, aber eigentlich läuft der prima – beide Busunternehmen haben das sehr gut im Griff.“ Er ergänzt zu den linksrheinischen Verkehren: „Viele Beteiligte haben im Vorfeld mit der DB InfraGO ein sogenanntes Dispositionskonzept erarbeitet, was den linken Rhein erstaunlich gut aussehen lässt. Natürlich sind auf dieser kaputten Strecke immer mal wieder technische Ausfälle vorhanden, es ist aber beeindruckend wie DB InfraGO das vor Ort bislang alles wieder schnell im Griff hat. Die Qualität der Schienenpersonenverkehre auf der linken Rheinstrecke ist definitiv nicht schlechter geworden als vor der Sperrung der rechten Rheinstrecke und läuft erstaunlich zuverlässig.“

Verlautbarungen aus dem BMV und der Deutschen Bahn zur neuen Strukturierung der Korridorsanierungen

„Die beiden Landesregierungen in RLP und NRW haben schnell und zügig nach Bekanntwerden der ersten durchgesickerten Informationen zu den erneuten Umplanungen der Baukorridore reagiert,“, sagt Verbandsvorsteher Hallerbach.

„Die eigentliche Generalsanierung der linken Rheinstrecke wurde wirklich gut mit uns im SPNV-Nord abgestimmt. Neben der Erneuerung von Beton und Stahl waren viele Maßnahmen zur Verbesserung der miserablen betrieblichen Qualität vorgesehen. Damit bestünde endlich die Chance, die katastrophale Pünktlichkeit im SPNV von rund 50 % auf ein bundesweit übliches Niveau von 90 % zu heben. Natürlich lief bei den ersten Korridorsanierungen nicht alles rund, deswegen ist nachjustieren auch richtig. Jetzt wird das dritte Update der Korridorsanierung ohne die Branche durchgeführt. Damit droht der komplette Verzicht der General- bzw. Korridorsanierung der linken Rheinstrecke, das wäre ein großer Rückschritt für alle Fahrgäste. Die Bauarbeiten am Rechten Rhein stimmen uns zuversichtlich, dass dies auch zu schaffen ist, “ ergänzt Verbandsdirektor Müller.

Der SPNV-Nord weist konkret auf folgende Konsequenzen und Risiken hin, die sich aus einer Sanierungsabsage ergeben:

  • Der Knoten Koblenz hat ein Alt-Stellwerk, primär aus den 1960er-Jahren, mit Umbauverbot, was dringend digitalisiert werden muss.

  • Die beiden Moselbrücken der linken Rheinstrecke im Koblenzer Stadtgebiet sind abgängig und die Sanierung allein einer der beiden Schienenbrücken bedarf mindestens 5 Monate, die der anderen weitere 5 Monate.

  • Das Kreuzungsbauwerk Kesselheim verbindet rechte und linke Rheinstrecke und bröselt jeden Tag vor sich hin, alle hoffen, dass es bis Ende 2027 noch hält.

  • Die Straßenbrücke der B 9 des Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Oberwinter hat ebenfalls das Ende erreicht und der Neubau braucht 5 Monate Baufreiheit. Der SPNV-Nord warnt vor Ereignissen wie jüngst in Bonn geschehen: Wenn die Brücke kurzfristig gesperrt werden müsste, wären auch die Schiene darunter gesperrt.

  • Jahrelang haben engagierte Bürgerinnen und Bürger für mehr Lärmschutz im Mittelrheintal gekämpft. ‚Auch dies wäre auf Jahre verschoben oder sogar aufgehoben.

  • In 2029 soll die BUGA stattfinden, dafür waren links- wie rechtsrheinisch zahlreiche neue Stationen geplant Der SPNV-Nord warnt vor negativen Konsequenzen für den Erfolg der BUGA, sollten diese neuen Stationen nicht gebaut werden.

  • Nördlich von Remagen in NRW muss das moderne Stellwerk Bad Godesberg gebaut werden, da das Alt-Stellwerk stark abgängig ist und Auflagen des EBA zur Erneuerung vorhanden sind. Diese Maßnahme wurde nach unseren Kenntnissen schon einmal verschoben.

  • Zahlreiche ausgeplante und ausgeschriebene Verbesserungen wie neue Überholgleise, Weichenverbindungen, Signale werden nicht realisiert werden.

  • Eine Kette von weiteren Baumaßnahmen auf angrenzenden Strecken baut auf die Sperrung der linken Rheinstrecke auf, bei einem Entfall der Korridorsanierung bricht vielleicht das ganze Kartenhaus zusammen.


„Seit über 20 Jahren bündelt die DB Baumaßnahmen immer intensiver zu sinnvollen Paketen, um dann die Schieneninfrastruktur wieder leistungsfähig zu machen. Im Windschatten von großen Baumaßnahmen füllt man an gesperrten Strecken so viel auf, dass da hocheffiziente sinnvolle Baumaßnahmen entstehen – jetzt in einem großen Umfang als Korridorsanierung und abgestimmt mit der Straßeninfrastruktur“ erklärt Verbandsdirektor Müller. „Einige der großen Projekte mit langer Bauzeit müssen sowieso gemacht werden, ob Entscheider das wollen oder nicht, und jetzt die gebündelten Maßnahmen herauszunehmen und auf Jahre zu verteilen, widerspricht dem Anlagenzustand und allem sinnvollen Bauen. Schienenverkehre werden über Jahre in Mitleidenschaft gezogen.“