Über die Kunst die eigene Kindheit neu entdecken

. Eine gleich mehrwöchig geltende Aufforderung, die eigene Kindheit in der Kunst von Doris Lenz neu zu entdecken, stellt die aktuelle Ausstellung „Kindsein – Spurensuche“ dar, die jetzt im Roentgen-Museum Neuwied eröffnet wurde.

„Kindheit ist so viel mehr als eine Erinnerung:  Sie bleibt eine Spurensuche, die uns ein Leben lang prägt. Genau diesen Gedanken greift die Künstlerin Doris Lenz auf“, lädt Museumsleiterin Jennifer Stein zum Besuch der Präsentation ein. Schon zur Vernissage waren zahlreiche Kunstfreundinnen und Kunstfreunde, aber auch Familien und Kinder, in das Roentgen-Museum gekommen, um in das Universum des Damals einzutauchen.

Trotz wohlklingend träumerischer Klänge, die Leo Zaric mit seiner musikalischen Begleitung stimmungsvoll seiner Harfe zu entlocken verstand - in ihren Gemälden und Installationen zeigt Doris Lenz nicht nur die heile Welt der Kindheit. Vielmehr geht es ebenfalls um manche Schattenseiten. Beide Gegenpole umreißen einen Spannungsbogen, der zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich herausfordert.

Noch bis zum 14. Juni hat die Ausstellung „Kindsein – Spurensuche“ im Roentgen-Museum geöffnet. Fotos: Thomas Höffner / Roentgen-Museum Neuwied (1) und Thomas Herschbach (2 und 3)

Bereits beim Gang durch das Treppenhaus des Roentgen-Museums beginnt die Reise in die eigene Vergangenheit. Zwischen Schaukelpferd, Puppenwagen, Schlitten und Tretauto werden Erinnerungen wach und persönliche Geschichten lebendig. Kunst wird hier abseits der reinen Betrachtung regelrecht erlebt. Dazu trägt ebenfalls die Klasse 3c der Grundschule an der Wied aus Niederbieber bei, deren Schülerinnen und Schüler selbst an einer Installation mitgewirkt haben. Das macht die Präsentation, bei der die Kindheit der Dreh- und Angelpunkt ist, noch authentischer. Kindsein – Spurensuche“ zeigt bewusst nicht nur die unbeschwerte Seite der Kindheit. Vielmehr macht die Werkschau darüber hinaus deutlich, wie vielfältig und manchmal herausfordernd diese Lebensphase sein kann – ein Thema, das gerade in Zeiten weltweiter Krisen eine besondere Aktualität erhält.

Mit ihren überlebensgroßen Gemälden und eindrucksvollen, teils schockierenden, Installationen wirft die Künstlerin Doris Lenz aus Rheinbreitbach einen sensiblen Blick auf die Bedeutung von Kindheit in der Vergangenheit und der Gegenwart. Arbeiten wie „Schlagende Argumente?“ und „Langes Fädchen, faules Mädchen“ konfrontieren den Betrachter mit überholten Verhaltensmustern und Erziehungsmethoden. Das Werk „Wegbegleiter“, das den Betrachter in einen Zirkel mit verschiedenen Attributen ausgestatteter Puppen einlädt, verrät dagegen, was eine erfüllte und glückliche Kindheit ausmacht.

Noch bis zum 14. Juni hat die Ausstellung „Kindsein – Spurensuche“ im Roentgen-Museum geöffnet. Fotos: Thomas Höffner / Roentgen-Museum Neuwied (1) und Thomas Herschbach (2 und 3)

„Diese Ausstellung hält uns einen Spiegel vor – als Erwachsene, als Eltern und als Menschen, die selbst einmal Kinder waren. Sie lädt uns dazu ein, Kindheit neu zu betrachten und unser eigenes Handeln zu reflektieren“, sagte Museumsleiterin Jennifer Stein bei ihrer Begrüßungsrede. Gleichzeitig ermutigte sie das Publikum sich intensiv mit den Werken der Ausstellung zu beschäftigen: „Die Auseinandersetzung mit den Arbeiten von Doris Lenz kann herausfordernd sein. Sie kann verborgene Erinnerungen wachrufen oder uns Momente des Innehaltens bescheren.“

Die einfühlsame Einführungsrede von Museumspädagogin Irina Wistoff ergänzte die Worte von Jennifer Stein noch um einen historischen Überblick über die Bedeutung von Kindheit im 20. Jahrhundert.

Bis 14. Juni lädt die Ausstellung „Kindsein – Spurensuche“ noch dazu ein, Kindheit neu zu entdecken. Das umfangreiche Begleitprogramm beginnt mit einem Erzählcafé über erlebte Kindheit mit Doris Lenz und Jennifer Stein am Sonntag, dem 3. Mai. Auch eine Lesung der Autorin Marianne Troll aus ihrem Buch „das kind – geschichten von früher“ bereichert das Programm.