Biographie

Johanna Loewenherz wurde 1857 in Rheinbrohl, Kreis Neuwied geboren. Sie stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Familie. Ihr Vater, Heymann Loewenherz  (1812-1897) war Kaufmann und Steinbruchbesitzer. Aus der ersten Ehe des Vaters hatte Johanna fünf Halbgeschwister: Louis, Samuel, Simon, Minna und Leopold. Aus der Ehe mit Fanny, geb. Jacobson (1825- 1902) stammten Johanna und ihre Schwester Karoline. Ihr älterer Bruder Simon verstarb im Alter von 33 Jahren. Die jüngere Schwester Caroline wurde nur 44 Jahre alt.

Über ihre Ausbildung ist wenig bekannt. Als Tochter aus gutem, bürgerlichem Elternhaus wird sie eine gute, schulische  Allgemeinbildung erhalten haben. Ihr Vater stellte eine hohe Summe für ihre Ausbildung bereit. Auch ihre musische Begabung wurde gefördert. In Stuttgart wurde sie am Konservatorium in Klavierspiel und Gesang ausgebildet. 1883 scheint diese Ausbildung abgeschlossen zu sein und sie gab verschiedene Konzerte, auch in Neuwied. Über die Musik scheint sie zur Schriftstellerei gekommen zu sein, denn ihr erstes, 1889 erschienenes Werk war ein Opernlibretto. Ein Versepos sowie ein Theaterstück folgten.

1894 hielt sie sich in Berlin auf, wo sie mit den Ideen der Sozialdemokratie wie auch der Frauenemanzipation in Kontakt kam. Daraufhin verfasste die Schriftstellerin Johanna Loewenherz eine umfangreiche Studie zur Frauenbewegung. Die folgenden Jahre stand sie als Kämpferin auf der politischen Bühne. Als SPD-Delegierte war sie auf vielen Parteitagen anzutreffen. Zudem sprach sie auf zahlreichen Versammlungen. So plötzlich, wie sie in der Politik aufgetaucht war, so überraschend verschwand sie nach wenigen Jahren wieder von dort.

Im April 1897 starb ihr Vater. Zur gleichen Zeit zog sie sich aus der Öffentlichkeit zurück. Drei Jahre später, Johanna Loewenherz war inzwischen 43 Jahre alt, gebar sie ihren Sohn Fritz, dessen Vater nicht bekannt ist. Das Kind kam am 24. August 1900 in einer Kölner Hebammenlehranstalt zur Welt. Die nächsten Jahre wurde es sehr ruhig um Johanna Loewenherz. Sie musste den Tod ihrer Mutter sowie den ihrer jüngeren Schwester Karoline betrauern. Im November 1911 zog sie mit ihrem Sohn Fritz nach München, wo dieser ein Gymnasium besuchte. Im Künstlerviertel Schwabing war sie die kommenden Jahre unter mehreren wechselnden Adressen anzutreffen. Der Ort war in jenen Jahren kulturelles wie politisches Zentrum, wo sowohl die Frauenbewegung als auch die Sozialdemokratie zu Hause waren. Welcher Tätigkeit sie dort nachging ist nicht bekannt. Ob Johanna dort öffentlich in Erscheinung trat und mit den dortigen Intellektuellen in Kontakt stand, ist ebenfalls unbekannt. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs verließ sie München und zog nach Rheinbrohl. Ihr Sohn musste währenddessen seinen Militärdienst ableisten.

Als Jüdin und Kommunistin bekam sie gleich zu Beginn der NS-Zeit Probleme. Im Frühjahr 1933 wurde sie mit vielen weiteren Mitgliedern der KPD für mehrere Wochen in Schutzhaft genommen. Nachdem sie das Neuwieder Polizeigefängnis verlassen konnte, musste sie sich in regelmäßigen Abständen bei der Polizei in Rheinbrohl melden. Vermutlich wurde sie wegen ihres Alters, sie war inzwischen 76 Jahre alt, nicht weiter von der Polizei behelligt. Kurz darauf ereilte sie ein schwerer Schicksalsschlag: Im Dezember 1933 starb ihr Sohn Fritz unter ungeklärten Umständen. Vier Jahre später, am 17. Mai 1937 verstarb auch seine Mutter friedlich im Garten ihres Hauses.


Die Schriftstellerin

Die Politikerin